The Great Communicator

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The Great Communicator | story.one

So sprachbegabt ich eventuell sein könnte, so wenig ist es meine flüchtige Paddelbekanntschaft. Aber: He is a great communicator! Das fand ich schon sehr bald heraus. Wir waren noch nicht lange zusammen, da machten wir Urlaub mit seinen Buben in Medulin. Auf einem Campingplatz.

Rund um uns das unvereinigte Europa und seine Sprachen. Der direkte Nachbar ein Schwede. Der Meinige fing an zu hussen. Er ist stolz auf meine vielen Zungen. Er schiebt mich immer vor, wenn unverständliche Laute an sein Ohr dringen. Damals gab es auch noch Grenzen und Zöllner und Fragen und Erklärungen.

Du kannst eh olls, sagt er dann immer ganz bescheiden. Natürlich geht mir das runter wie Öl. Aber herumgeschoben, sprachlich, werden will ich auch nicht. Ich zier mich dann. Bin auch tatsächlich ein bisschen schüchtern. Will auch nicht angeben. So eine Mischung halt. Und überhaupt, was wüllst‘n wiss‘n?

An jenem Medulin-Tag führte das Hin- und Hergeschiebe während des Zeltaufbaus dann auch tatsächlich dazu, dass wir unseren Mazda irrtümlich zusperrten. Schlüssel inside! Sowas gab es. Da schob er mich dann wirklich nachdrücklich in Richtung Schweden.

Hilfe! Help! Key! Hilfe und Help sagte Arnold. Key und Handbewegung stammten von mir. Der Schwede verstand sofort. Die beiden verstanden sich von Anfang an prächtig. Alter Schwede! Ich war abgemeldet, trotz meiner Sprachkenntnisse.

Jahre später, am Campingplatz "Weiberlauf", am "Z'sammrunn" von Salza und Enns, den wir praktisch mitbegründet haben. Cousin und Onkel bauten das Haus mit Matratzenlager. Mit 2 Freunden waren wir die ersten, die sich stolz im Meldebuch des Fremdenverkehrsamts eintrugen. Von wegen schlechte Meldemoral! Wir waren oft dort und lagerten immer auf der untersten Stufe mit Blick auf die smaragdgrüne Salza. Damals ein Geheimtipp. Wir waren praktisch allein. Bis Rafting aufkam und die feuchten Touren jeweils mit einem Schnapserl begonnen und beendet wurden. Da zogen wir weiter.

Eines Sommers kamen zwei Radlfahrer. Bauten ihr Iglu unweit von uns am "Weiberlauf" auf. Als sie fertig waren, kamen sie an unser Lagerfeuer. Ein Pärchen aus Atlanta, Georgia, im Jahr vor den Olympic Games, sie luden uns ein für den folgenden Sommer. Wir plauderten, ich übersetzte mir den Mund fusslig, weil mein "Nebengeräusch" gern plaudert und alles haarklein erzählt.

Wie übersetzt man Holzfäller-Duck ins Englische? Wo ich doch gerade selber erst erfahren hatte, was das ist. Sein Onkel Robert schwärmte immer davon und baute Jahre später dort auch ein kleines "Duck Dorf" für Paddler. Na ja, jedenfalls ist so ein Simultan-Übersetzer-Job bei A. anstrengend. Er garniert gern mit obersteirischen Ausdrücken und ist dann immer enttäuscht, wenn ich versage. Irgendwann streikte ich.

Eine Zeitlang stierten wir vier wortlos ins Feuer, nahmen ab & zu einen Schluck aus irgendeinem Gefäß. Bald wurde es dem Arnold zu ruhig. Er hüpfte auf und sagte entschlossen: I hole mei Gitarr! Der Abend dauerte noch lange.

© Margret Moser