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#abenteuer#graz#rodeowm

Lonely Eagle bei der Rodeo WM

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Lonely Eagle bei der Rodeo WM | story.one

Sehnsucht! Wer wollte als Kind nicht Indianer spielen, Indianer sein, in einem Tipi im Garten hausen… Bei mir hörte diese Sehnsucht nie ganz auf.

1988 fuhr ich mit einer Freundin durch die USA. Während sie schlief, „schlich“ ich mich mit unserem Mietauto in ein Indianer-Reservat. Nach stundenlanger Fahrt durch Winnetou-Landschaften wurde das Gefühl sehr drängend. Langsam, behutsam fuhr ich, bis ich vor dem Gatter stand. Ein Gatter, wie für eingezäuntes Vieh. Das Tor stand offen, ich hätte hineingehen können, aber was ich sah, war sehr traurig. Ich schämte mich, trat ebenso leise den Rückzug an.

2003 für die Kajak Rodeo WM brauchten wir Zelte. Normalerweise stellt man Schicki-Micki Pagodenzelte auf. Ich wollte Tipis. Mein Kollege, der Wahnsinnige, der das Ganze in seinem Kopf ausgebrütet hatte, ließ mich gewähren. Ich hatte Gestaltungsfreiheit. Das war es auch, was mich durchhalten ließ, die Aktion war schon grenzwertig. Ein Behörden-Rodeo.

Ich recherchierte im Internet und stieß bald auf Tim Sikyea, der damals mit seiner deutschen Frau in Nürnberg lebte. Indianisch Wanbli Isna-la, The Lonely Eagle, Einsamer Adler. Aufgewachsen in Yellow Knife, North West Territories, Canada. Fescher Bursche, Model, Modedesigner, Schauspieler („Der Schuh des Manitu“).

Ich hatte Glück. Im Jahr der Vor-WM 2002, sowas muss man ja schließlich auch ein bisschen üben, erfuhr ich, dass er "zeitnah" bei einer Zeremonie in der Obersteiermark seine Tipis aufschlagen würde.

Gespräch auf der Murinsel. Extra vom New Yorker Künstler Vito Acconci für das Kulturjahr 2003 in den Fluss gebaut, als Versuch einer Verbindung zwischen der “besseren” und der “schlechteren” Murseite. Upper & Lower Mur Riversides United. Das Kunststück gelang übrigens. Auf der Murinsel passte es dem Einsamen Adler aber gar nicht. Es war für ihn – wie auch für mich – ein Gefühl, als ob man in einem Faraday’schen Käfig säße.

Wikipedia: „Der F.-Effekt ist ein magnetooptischer E.. Er beschreibt die Drehung der Polarisationsebene einer linear polarisierten elektromagnetischen Welle in einem Medium, wenn darin ein Magnetfeld parallel zur Ausbreitungsrichtung der Welle herrscht.“ Alles klar?

Auf Deutsch: Wir fühlten uns unwohl. Das Klo war so verspiegelt, dass ich nicht wusste, ob ich Mandl oder Weibl bin, schwindelerregend. Tim zog offensichtlich die Prärie auch vor. Wir waren uns schnell einig, nix wie raus aus dem Käfig. Vier Zelte wollte er bringen, selbst bemalt. Sie waren wunderschön und trugen zum Flair der Veranstaltung wesentlich bei. Wie auch die Eröffnungszeremonie und Siegerehrung, die Tim mit seinen Leuten in alle vier Windrichtungen segnete. Berührendes Spektakel. Sternstunden.

Im Zuge dieser Geschichte hab ich gegoogelt. Tim arbeitet heute offenbar sehr viel in Slowenien, liebt Land und Leute und verbreitet mittels Zeremonien weltweit die Spiritualität und Weisheiten seiner Ahnen. Den „Erdtanz“ bezeichnet er als die Mission seines Lebens.

© Margret Moser 2019-11-21

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