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We are from Austria

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We are from Austria | story.one

Eine Story zur ganz aktuellen Veränderung, die gerade in, mit und um uns vorgeht? Ich bin gespannt, was mir dazu jetzt aus den Fingern rinnt. Eines weiß ich schon bei Beginn: Es wird keine halblustige Geschichte à la „wird scho wern“ wern. Obwohl, so ganz werde ich das (Wort)Spielerische nicht unterdrücken können.

Ich werde jetzt meinen Gedanken freien Lauf lassen und schildern, was ich seit gestern, als die drastischen Quarantänemaßnahmen dringend empfohlen wurden, erlebt habe. Ich wohne zu dritt (?) in einer musikalischen WG, mit Lebensgefährten und Bruder in einem idyllischen Häuschen mit wildem Garten 15 Busminuten vom Grazer Hauptplatz entfernt. Normalerweise kommen an schönen Wochenenden Familie, Freunde. Jausnen, Plaudern, Kaffeetrinken, Herumtollen. Heute ist Montag, 16. März, in genau einem halben Jahr werde ich 70. Ich habe keine Angst vor dem Virus. Ist das dumm? Ist das gescheit? Sagt ihr es mir! Ich weiß es nicht.

Jedenfalls sind wir drei Alten gestern dem Aufruf eines jugendlichen Radiosenders gefolgt und haben um 18h aus dem geöffneten Fenster „I am from Austria“ hinaus geträllert. Und uns dabei gefilmt. Das akustische Vergnügen war endenwollend. Aber unsere Straße war ohnehin leer. Ich hab nur einmal kurz rausgebrüllt: Wo satz denn olle?

Dieses "Kurz" (der arme Kerl muss jetzt für so viele Kalauer herhalten)-Video – leider konnte ich vorher nicht zum Friseur, ist technisch nicht gelungen. Aus lauter Nervosität – und auch, weil die Kamera mich nicht liebt – hielt ich das Textblatt vor mein Gesicht. Und leider auch vor das meines Bruders.

Nach Fendrich schloss meine flüchtige Paddelbekanntschaft noch ein flottes Ziehharmonika-Stückl an, zu dem ich heftig auf eine Klangschale eindrosch. Wir hatten’s lustig. Hoffnungslos aber nicht ernst. Dieses Video verschickten wir „zeitnah“ an Familie und Freunde. Die Reaktion war überwältigend, trotz der technischen Defizite kam die Botschaft an.

Die Enkerl schickten uns kurz darauf ein Video und wünschten uns - je nach Alter fröhlich bis nachdenklich – Gesundheit!! Super gschpült, Opa!!! Die Eltern prosteten uns mit edlem Rotwein zu. Die Stiefschwiegertochter, gerade in einer Ausbildung zur Visagistin (weitere Kurse vorerst abgesagt) sah UMWERFEND aus. Die Kamera liebt sie offensichtlich auch noch. Sauerei!

Freunde im In- und Ausland waren gerührt, uns so guter Dinge zu sehen, wo wir doch nun zur Risikogruppe gehören und über Nacht stark gealtert sind. Beim Anti-Aging-Programm der Regierung ist noch Luft nach oben.

Mit Schrecken seh ich grad, ich hab zwar genug Klopapier aber keine einzige Flasche Aperol! Heute geh ich aber nicht einkaufen. Da lass ich den Restaurantbesitzern den Vortritt. Aber bitte, örtliche Gastronomen, lasst‘s mir a paar Flaschln Apero!!! Ich kann ja nicht zur Tiefkühlpizza Eierlikör trinken…Jetzt ist es doch wieder eine halblustige Story geworden. So bin ich halt! Und hoffentlich bleib ich auch so. Für Familie und Freunde.

© Margret Moser 2020-03-16

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