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You Never Walk Alone

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You Never Walk Alone | story.one

Ich bin sehr gerne allein. Das ist für Afrika nicht unbedingt Grundvoraussetzung. Ich hatte das Privileg, in Papas Haus wohnen zu dürfen, das der alte Chief des Lesorogol Clans vor über 30 Jahren gebaut hatte, damit die Kinder darin Schulaufgaben machen können, auch wenn große Regenzeit ist.

Papa hat 3 Frauen und 24 Kinder. Peninahs Mama ist die Erstfrau mit ihrer Manyatta direkt neben dem Haus. Den wunderbaren Zaun am Foto hat sie gemacht aus Zedernholz mit der großen Machete, die sie immer bei sich trägt. Elefanten zerstören die Zäune manchmal, wenn sie schlecht gelaunt sind. Papa war nur da wegen des Festes. Er zeigte mir stolz die 3 Bullen, die er für seine Morans ausgesucht hatte. Sie lagen friedlich im Gras, ahnten nicht, dass sie bereits ein Eintagsfliegen-Dasein fristeten.

Am Abend war ich umringt von 198 Ziegen und Lämmern in allen Größen. Sie kamen heim vom Grasen und beschnupperten mich. Ich fühlte mich sofort sehr „angenommen“. Rein in den Stall und zu! Dann wieder auf, alle raus und wieder hinein. Erst beim zweiten Mal werden sie gezählt. Ich hatte mich schon lange gefragt, wie sie das machen. Am Morgen waren dann zwei neue Winzlinge dabei. Daran hätte ich mich gewöhnen können.

Was mir schwer gefallen wäre, muss ich ehrlich sagen, in der Manyatta zu schlafen, bei all dem Rauch und der Enge mit bis zu ???. Ich kam nie drauf, wie viele da drin schliefen. 14? 16? Ich glaube, das kann man auch nie genau sagen. Es variiert täglich. Die Kinder gehen nicht immer zu ihrer Yeyio heim. Keiner macht sich deswegen Sorgen. Jeder sorgt für jeden. Jahrtausende altes Naturgesetz.

Auch in „meinem“ Haus war ich nicht allein. Zuerst mit Peninah, ihren zwei Babies und einer kleinen Cousine aus Nairobi. Im Laufe der Woche waren wir dann 12, meist arme alte Tanten, die nur besaßen, was sie am Körper trugen.

Die Besuche bei Tanten & Nkokos (Omas), eine davon 103 Jahre alt, und in der Big Manyatta mit 32 „Iglus“ für Mamas und Morans, füllten unsere Tage. Ich wurde überhäuft mit Ketten für Hals, Arm und Fußgelenke. Die alten Mädels hatten ihre Freude dran. Eine forderte mich zum Tanz. Der endete damit, dass man der Partnerin mit dem Fuß in die Magengrube tritt. Ich hatte das schnell begriffen und vorsichtig zurückge"tanzt". Riesengelächter, das auch die Unverwandten aus den 31 anderen Manyattas anlockte. Sie hatten noch nie eine Weiße gesehen, lächelten schüchtern. Mit der Performance hatte ich mich direkt ins Herz von Mama No.1 getreten. Sie konnte sich nicht „einkriegen“. Aufnahmetest bestanden.

Als ich einmal für mich sein wollte, sagte Peninah: Kein Problem, dann geh ich heute allein zu den Aunties. Ich legte mich unter das Bäumchen und wollte nur in den Himmel schauen und träumen. No way! Sofort war ein Dutzend Kinder da. Sie hüpften und feixten. Ich legte meinen dünnen Schal über das Gesicht und tat, als ob ich schlafen würde. Flüstern, Kichern, Zupfen am Schal.

This is Africa!! You NEVER EVER walk alone. And you never ever sit & eat & drink & sleep alone!!!

© Margret Moser 2020-04-27

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