Netzwerke

Der Geschirrspüler gurgelt, die Waschmaschine dreht ihre Runden, das Essen schmort im Rohr, und die Kästen sind vom Staub befreit.

Alles erledigt.

Und ich? Gut in der Zeit.

Morgens halb 10 in Österreich. Und was macht Frau dann?

Sie nimmt sich des verstopften Ausflusses im Bad an. Denn auch ein Heimwerkerking hat schließlich seine Ruhezeiten. Mit so kleinen Dingen wollen wir ihn auch gar nicht belasten, und außerdem bin ich ja ein Profi im Zerlegen von Dingen. So schwer kann das ja nicht sein.

Mit gelb behandschuhten Händen nähere ich mich dem Rohr, knie nieder, schraube, putze, zerlege, und denke mir, übrigens nicht zum ersten Mal, warum alle Gummihandschuhe pink oder gelb sind, wo doch schlammfarben eindeutig besser wäre. Ist das vielleicht so, damit man den Dreck besser sieht? So nach dem Motto, „Kennst du deinen Gegner kannst du dich besser wehren.“

Auch gut. Ich sah, und kämpfte.

Plötzlich vernahm ich ein lautes: “MAM!?!“

Der Ruf klang dermaßen verzweifelt, dass ein Nichtfamilienmitglied annehmen würde, die Titanic wäre soeben im Begriff ein zweites Mal zu sinken, oder die Apollo befindet sich gerade in massiven Schwierigkeiten, oder noch schlimmer die Apollo ist auf die Titanic gestürzt, und dem Hilferufenden stünde das Wasser schon bis zum Hals. Also so richtig nach: „Houston wir haben ein Problem!“

Da ich aber ein Familienmitglied bin, und kein Wasser von der Decke tropfte, stellte ich mich taub.

“MAM!?“

Gleiche Lautstärke, nur jetzt direkt neben mir, forderte mein Erstgeborener mein Ohr.

“Wieso hast`n du Gummihandschuhe an?“

“Damit ich keine Fingerabdrücke hinterlasse“, antwortete ich leicht gereizt.

Eigentlich wollte er aber ohnehin nur wissen, wo sein weißes T-Shirt ist, und mit genauen Koordinaten verließ er das Bad.

“MAM!?“

Gleich schlimm verzweifelter Hilferuf, nur anderer Klient.

Auftritt Sohn Nr. 2.

“Wieso kniest`n du da ?“

“Weil mir noch keiner eine Montagegrube gebaut hat,“gab ich, schon etwas mehr als leicht gereizt, zurück.

Eigentlich wollte er aber nur wissen wo seine Schlüssel sind.

Koordinaten ausgespuckt, Sohn verschwunden.

“SCHATZ!?“

Ja, eh schon wissen. Gleich verzweifelter Hilferuf, anderer Klient.

“ Is leicht des Rohr verstopft?“

„Na, des mach`i nur damit`s zu Ostern auch innen glänzt.“

Er wollte er aber eh nur wissen, ob ich weiß wo seine Brille ist.

Und die Suchmaschine spuckte natürlich auch hier die korrekte Antwort aus.

Bitte, bei meinen Fähigkeiten können der Microsanfte und das angebissene Äpfelchen einpacken.

Kabellos wieder aufladbar, keine Tasteneingabe, kein Touchscreen, Sprachsteuerung, automatische Updates, immer einsatzbereit. Und immer die richtige Antwort.

Zu meinem Netzwerk gehören: iWash, iCook, iClean.

“MAM, kannst du mir das T-Shirt bügeln?“

Ach ich vergaß, das iRon in meinem Netzwerk.

Wenn ich mir dieses Ding so ansehe, man könnte es durchaus auch anderwertig verwenden.

Die Gummihandschuhe hätte ich ja schon mal an. Wegen der Fingerabdrücke, und so.

© Mari