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#1sommer1buch

Bicycle, bicycle

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Bicycle, bicycle | story.one

Juchu! Ich hab eins geka-hauft! Bicycle!

Seit ich wieder in Feldkirch wohne, möchte ich eins. Denn die Montfortstadt ist geradezu ideal für bequemes Radeln. In Luzern habe ich immer auf einem der Hügel gewohnt. Peter Wachs hatte nichts von sportlicher Fortbewegung gehalten. Wozu standen in der Garage zehn Autos und ebenso viele Motorräder? Nun, jetzt kann er mir nicht mehr dreinreden. Jetzt ist er tot. Aus die Maus.

Lange hab ich den Gang zum Händler hinausgeschoben, aber gestern eins ausprobiert.

Ich bin gleich wieder abgestiegen, so gewackelt hat es. Besser gleich eins mit drei Rädern? Dann brachte mir die Inhaberin ein stabileres Modell mit niedrigem Einstieg. Victoria!

Als ich sagte, ich sei 24 Jahre lang nicht mehr gefahren, musterte die Frau mich skeptisch. Aber die 70 gibt man mir nie. Allerhöchstens 69.

Nachts kaum geschlafen, heute Morgen richtig die Flatter. Rasch die Wohnung aufgeräumt, falls mich die Rettung heimbringen muss. Mit dem Bus hinaus in die Agglomeration. Rekapituliert, was ich noch brauche: Helm, Luftpumpe, Korb, Schloss, Radwegkarte.

Moralische Unterstützung von der überraschten Freundin geholt. Mit weichen Knien zur Händlerin. Sie hat mich wohl nicht mehr erwartet, nach meinen ängstlichen Probefahrten.

Sie montiert den Korb, holt die gewünschten Accessoires. Beim Bezahlen die angenehme Überraschung: Rabatt wegen Saisonschluss! Dabei fährt es sich im Herbst eh angenehmer als in der Sommerhitze, nicht?

Wenn das nur gut geht! Eigentlich unverantwortlich, so unsicher den Strassenverkehr aufzumischen. Schlotternd schiebe ich meine dunkelrote Neuerwerbung namens Victoria zum Gehsteig. Aber der Name soll mein Motto sein.

I ride…

Einfach immer geradeaus, Mariechen! Hände fest an den Lenker, keine Unsicherheit! Nicht zu stark bremsen, nimm lieber den Rücktritt. Nicht so stark, hab ich gesagt! Du hast es doch schon einmal können. Wer einen Rückspiegel hat, soll ihn auch nutzen. Hand hinaus beim Abbiegen!

I ride my bicycle…

All die Kilometer bis nach Hause kann ich auf Radwegen zurücklegen. Aufpassen, der Kanaldeckel! Achtung, der Übergang zum Gehsteig! Vorsicht, Eisenbahnschienen!

I want to ride my bike…

Zunehmend sicherer schalte ich die Gänge hoch. Fliege dahin! Fein, die Luftlöcher am Helm!

Bicycle! I want to ride it where I like.

Erleichtert daheim angekommen. Mal sehen, was der Muskelkater morgen macht. Die zerdrückte Frisur auf Vorderfrau bringen. Die Tasche für die Bibliothek nehmen. Zu Fuss dorthin, das wöchentliche Highlight.

Zur Feier des Tages gehe ich ins Johanniter essen. Herrlich, die Spaghetti mit frischen Pfifferlingen! Grosse Portion selbstverständlich, schliesslich habe ich heute bereits ordentlich gespart.

Daheim lege ich die CD von Queen ein, höre selbstsicher den letzten Teil des Songs:

So forget all your duties, oh yeah

Fat bottomed girls, they'll be riding today

So look out for those beauties…

Oh Freddy, danke! Du denkst auch an uns Mollies.

© Maria Büchler 2020-08-25

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