Winterwonderland

Schneeflocken, Winterduft, angeschlagene Brillengläser. Endlich war er da, der liebe Herr Winter. Und endlich war wieder einmal die ganze Familie zusammen. Mit Mama, Papa, Bruder, Oma, Tante, Onkel, Cousine, Cousins und noch viel mehr wichtigen Personen. Und natürlich war auch Opa bei uns, er schaute sicher von oben zu uns herab, lachte mit uns und brachte uns den Schnee. Denn der Schnee ließ es zu, dass ich mich meiner Familie so nah wie schon lange nicht mehr fühlte.

Wir stapften alle gemeinsam durch den tiefen Neuschnee, kamen zu einer modernen, aber doch sehr gemütlichen Alm, aßen dort ein wohlverdientes Mittagessen und wir Kinder spielten vor der Türe im Schnee. Wir formten gigantische Schneebälle, streichelten Hunde von anderen Gästen und genossen die angenehm kalte Luft. All das machte uns Kinder so glücklich, dass wir ganz überrascht waren, als wir bemerkten, wie schnell eigentlich die Zeit vergangen war. Stundenlang hätten wir noch durch das magische Weiß toben können, eiskalte Finger und Nasen hin oder her. Aber da vor allem mich zu Hause noch Tonnen von Schularbeit erwarteten folgten wir den Anforderungen der Erwachsenen und machten uns auf den Rückweg. Und jetzt kommen wir auch schon zum schönsten Teil dieser Geschichte. Wie kleine Kinder so sind, haben meine Cousine und mein Cousin irgendwann angefangen Schneebälle auf alle anderen zu werfen. Das was dann folgte erinnerte mich an ein Dominospiel. Meine Oma ließ den Treffer von meiner Cousine nicht auf sich sitzen und schoss sanft eine Kugel zurück. Dabei traf sie zum Beispiel meinen Onkel, der natürlich auch sofort einstieg. So ging es weiter, bis eine riesige Schneeballschlacht entstanden war. Der Wald war voller freudiger Lacher, ironischen Drohungen und Lachschreien. Für mich ist ein Lachschrei diese Mischung aus einem herzhaften Lachen und einem Schrei, wenn man zum Beispiel ausrutscht. Dies passierte, wo wir gerade dabei sind übrigens sehr oft. Wir zogen uns gemeinsam in den Schnee, übersahen dabei eine rutschige Stelle und lagen gleich ebenfalls im Schnee.

Ich habe meine Familie noch nie so glücklich, noch nie so frei und unbesorgt erlebt. Für diesen Moment haben sie all ihre Sorgen und Ängste vergessen. Sie dachten nicht mehr an ihren ganzen Stress. Sie konnten einfach loslassen und dabei endlich richtig herzhaft lachen. In diesem Moment tat mir auch jedes einzelne Vorurteil leid, dass ich gegenüber ihnen je hatte. Ich merkte einfach, wie sehr ich schätzen konnte, was ich habe. Ich war selber das erste Mal wieder so richtig glücklich und unbeschwert. Ich danke meiner ganzen Familie für diesen Tag.

© Maria Kapferer