Absichten eines Clowns

Wie ein erhobener Zeigefinger reckt sich das Hilton gen Himmel, Stadtpark 1. Betonplattenbau aus den Siebzigern, genau derselbe unpersönlich kalte Stil wie die Satellitenstadt an der Peripherie unserer Hauptstadt. Gleich daneben das Zentrum für Macht und Geld, RZB, Stadtpark 9. Ebenfalls hochgezogen, nach oben strebend, an Fläche sparend, an Höhe kaum enden wollend. Auf kleinem Platz so viel wie möglich unterbringend, so wie in den Satellitenstädten. Dort Mensch, da Geld.

Ja. Ich kenn euch, ihr schwarz verkreuzten Pferdeköpfe auf grellgelbem Hintergrund, wirkend wie Steckenpferde. Macht symbolisiert sich immer wieder durch Kreuze, auch dieses, expandierend über Grenzen hinaus.

Sie starrt in dieselbe Richtung. So regungslos, so starr, so unendlich traurig. Wo ist das unbeschwert lachende Wesen, das mir vor neun Monaten erklärte, Wien böte alles?

Stimmt, es bietet alles. Inklusive all dem, was sich niemals erwarten hätte lassen. Geträumte Laufstege wandeln sich in fettbeschmierte Kochtöpfe, die gesäubert werden wollen, um. Modeagenten werden zu brüllenden Küchenchefs, die von über Grenzen hinaus gekannten H.C.s schwärmen, jedoch nicht wirklich an Andersens Märchen glauben. Glamouröse Hotelsuiten weichen trostlosen, lichtarmen Personalquartieren in Kellern. Tief unten, damit einem bewusst wird, wo man wirklich angekommen ist.

Es schmerzt zutiefst, das Wesen, das du so voller Ideale in eine bessere Welt hattest flüchten lassen, so vorzufinden. Ihre Hand ist so rissig-rau und rot gefleckt. Wohl nicht von der Kälte. So zart, wie die Haut ihres Gesichts, war sie, davor. Spürt sie mich nicht mehr? Einst ließen meine Berührungen sie erbeben. Und unendlich müde wirkende Augen.

Allein ich selbst vermag es nicht, sie lebendiger zu machen, Freude in ihr zu wecken. Ich hätte sie niemals gehen lassen dürfen! Ich hätte es ihr niemals verwehren dürfen! Was hätte ich wirklich?

Neben ihr war ich immer nur ein Clown. Ein Selbstdarsteller, der um die Gunst dieses wunderbaren Wesens regelrecht buhlte. Einer, der kaum fassen konnte, dass eine wie sie seiner Welt aus Niemanden entstammen konnte. Daher die Flucht in diese Welt, von der sie sich erwartet hatte, eine Gleiche unter Gleichen zu sein. Doch hier ist sie wiederum eine Heimatlose. Wiederum tief unten im Keller bei Namenlosen beheimatet.

Der Rest deines traurigen Ichs muss zurück. Dorthin wo du zwar arm, doch geboren.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die …. Du lachst! Ja, du lachst! Wie sehr hab ich dein Ich vermisst!

Komm beeil dich … der Zug geht um 18:15!

© Maria Modl