Die REIF-E-Prüfung!

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Die REIF-E-Prüfung! | story.one

Diese Tage Anfang Juni sind nicht nur wettermäßig eine besonders heiße Phase, vielmehr auch edukativ für alle österreichischen Schülerinnen und Schüler, weil es für viele um die – oftmals rettende – Abschlussnote in der Schuljahresendspurtphase geht. Doch bei vielen ist das derzeit bestimmende Thema das „Grande Finale“, das erfolgreiche Abschließen der Schullaufbahn … Abschlussprüfung bzw. Matura genannt.

Jahrelang strebten auch meine Kinder diesem D-Day entgegen, an dem Sie quasi den ihre Bildungslaufbahn dokumentierenden Befreiungsschein erhielten, der ihnen das Tor zur endgültigen Individuation, der Finalisierung ihres Ich- und Selbstwerdens, öffnen sollte. Die Matura, dieses besonders anfangs so weit entfernte, wenig greifbare und daher kaum vorstellbare Ereignis - alles, was man sich jahrelang an Wissen aneignen hatte sollen - gewinnbringend für sich selbst vermarktend zum Abschluss zu bringen, winkte all diese Schuljahre wie ein übermächtig erscheinendes Mysterium am Ende des so dunkel erscheinenden Bildungstunnels.

Und plötzlich ist alles vorbei. Bestanden … zur Reife gereift. Nicht bestanden … back to the system. Das Ziel ist das Ziel!

EINSRPUCH!

Der Weg ist das Ziel! … und dieser war für meine Kids ein wahrlich mathematisch beschwerlicher. So unterschiedlich die beiden – Buberl & Mäderl mit drei Jahren Differenz – auch sind, eines hatten sie gemeinsam: keine einzige positive Mathenote im Jahreszeugnis bis zum Maturajahr am BORG.

Als SchülerInnen-Mutter – ich gestehe – war ich ein Muttertier; zwar kein in Helicoptermanier ständig über meinen Kindern kreisendes; eher ein Hand reichendes, Nachhilfestunden ermöglichendes, motivierend zuredendes, ab und zu Hausübung machend unterstützendes, Lernstoff abprüfendes und auf jeden Fall mathematisch mitleidendes (da selbst ach so ahnungsloses).

Erst im Maturajahr ging meinem Sohn der algebraische Knopf auf. Ein Freund der Familie ward gefunden, der meinem Filius die mathematische Welt mittels philosophischen Zugangs erfolgreich eröffnete. Quasi Reifung mittels „Schuppserls von außen“. Meine Tochter hingegen spann den Spannungsbogen bis kurz vor der Schriftlichen in gewohnt negativer Manier weiter. Erst etwa drei Wochen davor setzte das Reifungswunder ein: Plötzlich wurden stundenlang Kurven diskutiert, Verfallprozesse erfolgreich umgesetzt, ohne in Selbstmitleid zu verfallen, jegliche Kreisbeispiele waren plötzlich wirklich „rund“ und bei den Therme wurde auf das „N“ verzichtet. Die Wege zum Ziel waren gefunden, sodass das Ziel „Das Ziel ist das Ziel“ erfolgreich umgesetzt werden konnte.

By the way … nach mittlerweile 15 bzw. 12 Jahren “ sind nun beide befähigt, selbst die Reife anderer zu prüfen. Frei nach dem Motto meiner Tochter anno 2006 (17J.): Ich werd‘ niemals Lehrerin. Möchte doch kein Erzfeind werden!

Und manchmal sind beide aufgrund ihrer Berufswahl wiederum sehr reif … diesmal jedoch für die Insel!

© Maria Modl