g e d i s s t

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Dissen ist ein jugendsprachliches Verb (von englisch todiss (von to disrespect, bedeutet so viel wie (jemanden) „schlechtmachen“, „schräg anmachen“, „respektlos behandeln“ oder „schmähen“)). Seit 2000 im Duden verzeichnet.(Wikipedia/26.03.2020)

du sitzt da und fühlst dich einfach nur schlecht. irgendwann hat irgendwer wahrscheinlich irgendwas zu irgendjemandem gesagt, das dich betroffen hat; das ganz gezielt wie kleine spitze nadeln zum einsatz kam, zum zweck, dir zu schaden. jemand, die ihre eigene person in absolut opportunistischer art und weise einsetzt. jemand, die dich nicht kennt, nie mit dir gesprochen hat, nie in deine augen geblickt hat. eine kritikausteilende, nicht bereit, ebensolche gerechtfertigt zu empfangen.

schon setzt er sich in bewegung, der dominoeffekt. er wirkt, schwappt über auf andere, die dir keine chance lassen, das dir nachgesagte ominösum zu klären. sie folgen dem spottenden mainstream, wollen dich in die knie zwingen. sie entwickeln eine spiralisierende eigendynamik; richtend gegen dich gerichtet.

abstand. er schmerzt. du erkennst, eine geradlinige form ist nicht gefragt. nichts an unehrlich lächelndem kannst du bieten. die bühne des großen kriechens ist nicht deine stage. natürlich könntest du es. allein die notwendigkeit bringt dich in not. idealism prevails.

das große fragezeichen des unverständnisses lässt dich hinterfragen. du suchst schuld; irrtümlich bei dir selbst. das „was?“ kann so ein richtiges schwein sein, doch noch immer ein geringeres als das „warum?“. antworten liegen ewig schlummernd auf rosa schäfchenwolkenbettchen – vielleicht.

unfairness als vorstufe zur unwillkommenheit. „freunde“ verabschieden sich. du vermisst sie – anfangs. dritte mauscheln; back your back. sie werden weniger. um qualität von mensch geht es schon lange nicht mehr. ist es dies jemals - überhaupt?

du unterstehst dich zu fordern. welch untat! tut man doch nicht; schon gar nicht, wenn es um vorgegaukelt gutes geht. wie kannst du nur! ja, wie kannst du nur infrage stellen, wie du nur können konntest. und wage es nicht, retourzureden! nicken und lächeln machen polulär.

mehr und mehr signalisiert dir das system, auf dich verzichten zu können. egal wie sehr du deine leistung hochschraubst, big brother pfeifft auf deine data! das zeitalter der zehenlecker killt horwarths zeitalter der fische.

vorwürfe nageln deinen krankenstand ans kreuz. verdächtigungen werden untergeschoben – haltlos, doch unbarmherzig. vorgefertigte meinungen sind in köpfen manifestiert; wahrheiten uninteressant.

systemerkennende schuppen fallen dir von augen. du lässt dem konstrukt der großen verlogenheit keine chance, dich zu erdrücken, dich zu kicken. es fürchtet bereits dein erkennendes auge. Sein negierendes nichtagieren lässt den ihm entgegengestreckten baum der hoffnung vollends entwurzeln.

shut down – life’s simply a story. du hast dich entschieden – du bleibst ...

… dir treu.

© Maria Modl