Manifest der Worte

Tja, lieber Schreiberling, dein Los ist oftmals kein einfaches. Ein Text fordert. Und zwar dich heraus:

Worte können gnadenlos sein. Sie lassen nach sich suchen, doch sich nicht immer finden. Sie prägen sich dir ein, hinterlassen Spuren, Narben und Löcher. Sie schummeln sich in dein Unterbewusstsein, verankern sich dort und geben dir das Gefühl präsent, jedoch genau dann nicht da zu sein, wenn du sei brauchst. Sie können beißen, provozieren und erniedrigen …Du kannst mit ihnen schmutzige Wäsche ganz „rein“waschen. Sie liegen dir im Magen, schwer und unverdaulich. Sie verunsichern dich, ausgesprochen wollen zu werden. Und Worte können Missverständnisse heraufbeschwören. Sie nagen an dir und deinem Selbstwert und können dir furchtbar auf die Nerven gehen. Sie verletzen dich, wenn sie „spitz“ sind … und sie können dich treffen, vielleicht als Schlagwort. Dies teils sogar, ohne auf dich gezielt zu haben. Denn Worte können auch Waffen sein; dann sind sie keinesfalls „leere“ Worte. Und es gibt „große“ Worte mit viel Nichts dahinter. Die Lüge bedarf meist derer vieler, im Gegensatz zur Wahrheit. Und aufgepasst vor „glatten“ Worten, die oftmals nur täuschen wollen.

Doch …

… sie können dir so sehr unter die Haut gehen, die Worte; ganz ohne dir weh zu tun. Du kannst auch auf sie bauen, ihnen vertrauen und dich auf sie stützen. Sie können der Weg zum Ziel sein und sie leben oftmals länger als eine Tat selbst. Sie bauen Brücken und können verbinden, indem sie die richtige Wellenlänge formen. Worte bewirken stets mehr als Gewalt und sie können dich sprachlos machen; im positiven wie auch negativen Sinne. Sie können guttun, das Herz erwärmen und dich zum Lachen bringen. Besonders wenn sie dir schmeicheln, ist es oftmals ratsam und notwendig, sie auf die Waagschale zu legen, besonders dann, wenn sie auf etwas abzielen, etwas bewirken oder ändern wollen. Und Worte entlarven Tore, denn sie können unbedacht ausgesprochen werden, und sie können dir die Augen öffnen und dich vor Negativem bewahren. Sie gehen dir teils nicht mehr aus dem Kopf und sie können dich beflügeln. Worte sind oftmals die beste Medizin, denn sie können trösten und dich deine Sorgen und Probleme vergessen lassen. Sie wirken wie Seelenfaserschmeichler, deren heilende Wirkung dich erkennen und richtig handeln lässt.

Und nicht zu vergessen: Am Anfang war das Wort … vielleicht ein großes, das gelassen ausgesprochen wurde.

Du weißt es nur allzu genau, lieber Schreiberling:

Deine Worte verkörpern Gedanken und Empfindungen, sie können rettende Hände aber auch gefährliche Waffen sein und werden. Daher sind deine Worte mächtig, drum wähle sie stets bedächtig!

© Maria Modl