Party for one

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Party for one | story.one

Die späten Sechzigerjahre waren eine wirklich hippe Zeit, in der Sex, Drugs & Rockn‘Roll bereits ein „must have“ bei fast jeder Party waren. Das Flower Power-Feeling war auch bei unseren beiden pubertierenden Nachbarsmädels gelandet. Sie sorgten dafür, dass ich im zarten Alten von etwa fünf Jahren musikalisch bereits sehr bewandert in Sachen Beatles, Doors, Janice Joplin und The Who war.

Die Nachbarsfenster waren stets weit geöffnet und ich tanzte oftmals im Garten zu den Rhythmen. Bei den langsamen Songs stellte ich mir dann immer vor, ich würde mit meinem großen Kindergartenschwarm Gerhard die Hüften wiegend am Parkett verkommen. Da wir erst kurz vor der Mondlandung 1969 ein Fernsehgerät bekommen hatten und ich bis auf Flipper und Das Kleine Haus nichts anschauen durfte, war mein Imaginationspotential dessen, was „love is in the air“ bedeuten könnte, rein auf mein Erfahrungsrepertoire aufgrund von eigenen Beobachtungen beschränkt. Sprich darauf, wie es meine große Großcousine mit ihrem Freund machte; von meinem Vati meist etwas derb mit „Des dearf doch net woahr sei, der steckt ihr scho wieder die Zungan bis owe in den Hois“ beschrieben. Irgendwie hatte ich das Gefühl, da müsste es noch mehr geben oder zumindest etwas anderes, über das sich dieses Frau-Mann-Miteinandersein definieren sollte.

Ich glaube, ich wäre damals sogar bereit gewesen, ein späteres „Bauer sucht Frau-Szenario“ präventiv verhindernd, die gewünschte Bäuerin zu geben, die Gerhards Eltern gerne an der Seite ihres Sohnes gesehen hätten. Doch, wie ran an den Mann? Im Kindergarten gehörte er mir niemals ganz allein; die gute Partie hatten auch meine Mitstreiterinnen erkannt. Ich war dem großen, blonden Kleinen jedoch aufgrund seines Charmes verfallen … und weil er ein bisserl was von Heintje hatte. Schmacht!

Um Gerhard endlich einmal ganz alleine für mich zu haben, wurde ich – getriggert durch die Geburtstagsparty einer meiner Nachbarschaftspubertierenden – ideenreich beflügelt: Eine Party war die Lösung! Natürlich – ich lud Gerhard einfach zu meiner Geburtstagsparty am 16. Juni ein, obwohl ich im Jänner Geburtstag habe. Egal, Hauptsache, er komme! Allein. Am nächsten Tag flüsterte ich meinem „The-one-and-Only“ die Einladung ins Ohr und nahm ihm das Versprechen ab, dass er niemandem im Kindergarten davon erzähle.

Am 16. Juni nachmittags war ich gerade dabei, meine Hausübungen zu erledigen, als es um punkt 15 Uhr läutete. Oma und ich eilten hinaus und wer stand mit einem Blumenstrauß und Geschenk bewaffnet vor der Tür? Richtig, Gerhard, begleitet von seiner Mama, die zur angeblichen „Party“ kommen wollten.

Das war nur noch peinlich. No more love was plötzlich in the air; die verbalen Watschen Omas reichten mir schon. Leider tat sich der Boden nicht auf, um zu versinken. Gerhard und Mutter flüchteten mit den Blumen und dem Geschenk für sein und mein restliches Leben. Und im Nachhinein betrachtet, konnte mir nichts Besseres passieren.

© Maria Modl 05.04.2020