When September ends …

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When September ends … | story.one

Diese Zeit der Tag- und Nachtgleiche, in der die Sonne ihre Wanderung zur Südhalbkugel vollendet, um diese in frühlingshaftes Ambiente zu tauchen, lässt uns – nördlich des Äquators – wieder so richtig Endlichkeit spüren lassen. Noch sonnenenergiegeladen im Geiste den sommerlichen Himmelblaumomenten im O-Sole-mio-Rhythmus frönend, ist jedoch bereits so ein Anflug eines Abschieds zu spüren. Noch halten sich Blätter, um die Kraft ihres Grüns kämpfend, wacker an ihren Ästen, sich der nahenden stürmischen Zeit nicht entkräftet wirkend ergeben zu wollen. Dieser Abschied des Lebendigen der Natur, das sich zum Erlöschen bereit macht, geht laut und leise von dannen. Säuselnd treibt der Wind sein fegendes Spiel, während Stare – Vogelschriften in den Himmel zeichnend – auf ihre Reise gehen; das Rückflugticket stets unter dem Gefieder tragend.

Das ist einfach meine Zeit! Ich liebe dieses saisonale Stadium der Metamorphose und Transformation; die Übergabe des Erbes des Sommers an seinen Nachfolger den Herbst. Diese reiche Fülle an natürlichen Gaben; sowohl der Natur als auch des Menschen. Üppige, sich tief zum Boden neigende Zwetschen- und Birnbaumäste, die dir zum Gruß und Genuss die Hand reichen; Äpfel rotbackig-gsund dich anlachend, die dir beinahe in den Korb fallen würden, machtest du dir die Mühe, sie brocken zu wollen. Allein die mannigfaltigen Düfte, die uns diese Zeit beschert, verzaubern den Geruchssinn. Eingekochtes, Eingewecktes, Eingemachtes, Mus, Marmelade, Kompotte und eingelegte Salzgurken füllen die Vorratskammern für die nahende kalte Jahreszeit auf. Der Herbst macht den Menschen eifrig, im Jetzt an das Dann zu denken.

Und dann erst die späte Blütenpracht, die mich in meinem Gärtlein erwartet. Der Indian Summer mag sie ganz besonders, die kräftigen Farbspiele der Blüten seiner vielfältigen blühenden Gaben. Astern und Dahlien eifern farblich um die Wette, wobei letztere auch wunderbar zum Verzehr und als optische Bereicherung für Herbstsalate dienen; durchmischt mit letzten Paradeisern, Kürbisstückerln, Nüssen, Äpfeln und Birnen. Ein paar Blausterne haben sich ihr Recht auf Sichtbarkeit auch schon zwischen den knolligen Purpur-Blüten der Fetten Henne erkämpft und weiter unten lugen bereits wenige Safran-Krokusse und zart-weiße Alpenveilchen hervor.

Doch auch hier macht sich bereits Vergänglichkeit breit. Die langen, vor kurzem noch so kräftig aufgerichteten Blätter meiner Staudengewächse scheinen leblos; hängen müde herab; und an ihren Blüten können die verbliebenen Blütenblätter einzeln abgezählt werden; der Rest säumt – gleichzeitig mit durch den Wind beflügelten zu Boden tänzelnden Blättern – bereits den Gartenboden, bereit sich dem zersetzenden Werk der Destruenten zu ergeben.

Er ist schon sehr spürbar, der Herbst. Unverzichtbar, wollte ich niemals eine „Herbst-Zeit-Lose“ sein. Und glaube einer, es stürbe nun die Natur, so sag‘ ich … oh nein, sie erneuert sich nur!

© Maria Modl