Auch Frösche wollen geliebt werden

Wenn jemand in unsere Wohnung kommt, fallen ihm zwei Dinge sofort ins Auge: Bücher und Frösche - naja, und wenn er nach draußen schaut vielleicht die vielen Pflanzen auf der Terrasse.

Man denkt dann wahrscheinlich sofort, mit Büchern, Pflanzen und Fröschen kann man hier nichts falsch machen. So kann man sich täuschen!

Den ersten Frosch hat mir vor vielen, vielen Jahren eine Freundin geschenkt. Sie brachte ihn einfach mit, vielleicht weil sie eine ausgesprochene Sammlerin von - ich glaube es ware Schweine - war. Inzwischen haben sich unsere Wege von einander entfernt, und ich habe über die Zeit gelernt, daß das manchmal einfach so ist, und man es nicht aufhalten kann, egal was man versucht. Wichtig ist nur - die Frösche waren nicht Schuld.

Also, da war er - der erste Frosch in meiner Wohnung. Und weil ich meine Freundin mochte, bekam er einen schönen besonderen Platz.

Bald gab es von jedem und bei jedem Anlaß weitere Geschenke mit "Frosch". Kaum zu glauben was es alles gibt. Und Frösche selbst in allen Formen, Materialien und Größen. Es hat eine Weile gedauert bis ich es geschafft hatte, Familien und Freunden zu vermitteln, daß Frösche nicht mein Herzenswunsch sind. Aber sie waren da. Und immer wieder gab es neue Menschen, die bei den ersten Begegnungen dachten - prima, ein Frosch kommt hier wohl immer gut an.

Besonders gerne erinnere ich mich an zwei Frösche. Den ersten davon brachte Milena mit. Neben der Tatsache, daß sie in nur vier Wochen unseren Haushalt komplett neu organisiert hatte, um dann nicht mehr wieder zu kommen, brachte sie beim letzten Besuch einen wirklich sehr großen grünen Frosch aus Beton mit. Wie sie ihn in die Wohnung und dann auf die Terrasse bekommen hat, ist uns nach wie vor ein Rätsel. Aber jetzt wohnt er bei uns, braucht Platz und ist kaum zu bewegen. Und irgendwie gebe ich ihn jetzt auch nicht mehr her. Auch weil er perfekt zu gebrauchen ist, wenn beim Sturm mal wieder meine wirklich schöne Harlekinweide ins Wanken gerät.

Richtig Schwung bekommen hat das Ganze nochmal - wir sind jetzt in der Großelterngeneration - als die Kinder in die Familie kamen. Die lieben natürlich die vielen Frösche als Spielkameraden. Und noch immer hat einen Ehrenplatz die Zeichnung meiner Großnichte, die sie mit fünf gemacht hat. Sie mit einem großen roten Herz, daß sie mir - einem dicken, grünen Frosch - überreicht. Den Frosch gebe ich auch nicht mehr her.

Eine Froschsammlerin wird nicht mehr aus mir werden, aber die Frösche, die ich habe freuen mich jeden Tag und jeder hat eine eigenen kleine Geschichte von lieben Menschen - gestern und heute und damit morgen auch irgendwie noch.

Und an einen lebenden Frosch hat Gott sei Dank noch nie jemand gedacht - der käme mir jedenfalls nicht ins Haus!

© MariaGrosch