Indisch kochen - immer ein Fest

Über viele Jahre ist "Indisch kochen" (und dazu einladen) ein fester Bestandheit unseres Lebens geworden.

Dabei waren wir noch nie in Indien, kennen die Küche nur aus englischen und deutschen Restaurants und all den Kochbüchern, die in den letzten 25 Jahren den Weg in die ohnehin völlig überfüllten Buchregalen gefunden haben.

Wie gut kann man schon Indisch kochen, wenn man Land, Leute und den Geschmack und die Gerüche vor Ort nicht kennt?

Ziemlich gut würden unsere Freunde und all die sagen, für die wir über die Jahre gekocht haben. Aber warum?

Als ich meinen Mann zum ersten Mal besuchte - nach einem langen Tag im Büro, einem knapp 2-stündigen Flug und einer mir genau so lang vorkommenden U-Bahn-Fahrt - war sein Vorschlag "wir gehen zum Inder um die Ecke". Mir stand nach allem der Sinn, aber nicht danach. Hätte er mir nicht so gut gefallen, wer weiß......

Noch heute lachen wir darüber, wie schnell wir dann in einer anderen Welt waren, die herrlich duftete, aus bunten Farben bestand (auch wenn das schöne Rot, wie ich später erfuhr, Lebensmittelfarbe war), all das hatte, was damals in der deutschen Küche so gründlich fehlte und was uns einfach nur gut gefiel und schmeckte.

Und so ist es bis heute geblieben. Das gemeinsame Kochen dauert Stunden. Alles riecht nach köstlichen Gewürzen, die Gerichte köcheln langsam vor sich bin, die passende Musik gehört dazu. Es ist warm, gemütlich - nicht alles klappt, aber was soll's. Diese Küche verzeiht wenn man nicht alles auf den Punkt bringt und streng nach Rezept geht.

Oft haben wir erlebt, daß die Liste der Dinge, die jemand beim Essen mag, lang ist und am Ende schmeckt es doch.

Legendär ist der Besuch einer Freundin, die beim Betreten unserer Küche als erstes informierte, daß sie inzwischen keinen Knolauch mehr verträgt. Davon war bisher noch keine Rede gewesen. Was tun bei Gerichten, in denen sich insgesamt mindestens 40 Knoblauchzehen befanden? Durchatmen und an das Gute glauben. Sie hat sich übrigens sehr gewundert, daß ich die nächsten drei Tage jeden Tag angerufen habe. Immer mit einem Vorwand, nur um zu hören, wie es Ihr geht - prima, wie sie mir jeden Tag bestätigte.

Die Abende sind immer lang, jeder kann essen was er mag (meist gibt es eine Auswahl von 6-8 Gerichten) und am Ende sind wir - und die anderen meist auch - satt und ziemlich müde.

Wenn man bedenkt, wie wenig es doch braucht, um in einer anderen Welt zu sein. Und das es überhaupt nicht wichtig ist, daß unsere "Indische Küche" nur am Rande damit zu tun hat , was man in Indien tatsächlich ißt.

© MariaGrosch