Und dann hatte ich ein Bison...

Manchmal verliebt man sich einfach und kann nicht sagen warum.

Da stand ich also mit unserer Großnichte und der ganzen Familie und beobachtete eine Bisonherde. Natürlich nicht in freier Wildbahn, sondern hier in Deutschland in einem Zoo. Ich war wirklich beeindruckt und hatte sofort die Bilder von rennenden Kolossen über die Weiten nordamerikanischer Prärien im Kopf. Was für eine Kraft - was für ein Anblick.

Hier waren es ungefähr zehn Tiere und eine Reihe von Jungtieren, die noch eng mit den Müttern verbunden schienen. Und ich hatte plötzlich keine Lust mehr, einfach weiterzugehen - gerne wäre ich lange stehengeblieben und hätte mich, neben der Kraft, weiter von der Ruhe der Tiere anstecken lassen. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Aber mit fünf Kindern und einigen ungeduldigen Erwachsenen keine Chance. Es würde ein herrlicher Tag und viele schöne Stunden mit all den anderen Tieren und dem gemeinsamen Spielen, Lachen und verrückte Sachen machen.

Meiner Großnichte hatte ich versprochen, daß sie sich am Abend im Laden ein schönes Pferd für Ihre Sammlung aussuchen könne - sie liebt Pferde. Ein weiteres Pferd für eine schon wirklich - zumindest in meinen Augen - große Sammlung. Waren es 30 oder 40, die sie schon hatte? Noch beeindruckt von meiner Begegnung am Morgen versuchte ich sie vom Bison - statt von einem weiteren Pferd - zu überzeugen. Sie überlegte lange und hin und her und nach einer ganzen Weile (sie ist 8 Jahre alt) sagte sie dann "Ich glaube, eigentlich möchtest Du doch das Bison. Ich will lieber ein Pferd". Warum dann aus einem Pferd ein Schwein wurde, ist wieder eine andere Geschichte.

Inzwischen sind 6 Wochen ins Land gegangen, die Sommerferien sind vorbei und wir sind auch schon lange wieder zu Hause (und damit leider viele, viele km von der Pferdesammlung und ihrer Besitzerin entfernt). Und am Montag brachte der Postbote ein Päckchen von Linn. Ich sah schon auf dem Umschlag ihre Handschrift - groß, klar und gut lesbar - und darin: "mein" Bison.

Ich bin ein bißchen verlegen, wenn ich denke, wieviel Taschengeld dafür benutzt wurde, aber vor allem bin ich glücklich und stolz - und Besitzerin eines Bisons.

Es steht jetzt hier und schaut mir beim Arbeiten zu und jedesmal, wenn ich es ansehe, denke ich an Linn, Ihre Familie und die Weiten Amerikas - eine wirklich schöne Mischung im Kopf.

© MariaGrosch