Warum eigentlich immer nur weg?

Natürlich war und ist es großartig, sich vorzustellen, wo man hinfahren, hinfliegen, hinreisen könnte und möchte.

Und natürlich ist die ersten Urlaubsreise mit meiner besten Freundin und dem ersten eigenen Auto in den Schwarzwald unvergessen. Alles war ein Ereignis und man konnte tun und lassen was man wollte, vor allem mal die Dorfjugend dort so richtig auf Trab bringen...

Oder die erste Flugreise nach Fuerteventura, bei der ich gelernt habe, daß im Meer schwimmen halt doch gänzlich was anderes ist, als in einem Freibad zu Hause seine Bahnen zu ziehen. Herrliche Tage am Meer, nette Leute, neue Freunde - einfach zum Genießen.

Oder die Bustouren - alleine über die Hin- und Rückreisen könnte man mehrere Geschichten schreiben - nach Lloret de Mar sind mir immer im Kopf, wenn ich daran denke, wie viel Spaß man doch haben konnte, wie lange man am Abend tanzen konnte und doch wieder früh am Meer sein wollte.

Jahre später dann die herrlichen Reisen durch Südengland. Ein Bed und Breakfast nach dem anderen, reetgedeckte Cottages, Landschaftsgärten, Schlösser voller geheimer Geschichten und so verliebt in ihn, uns und das Leben.

Ich höre schon meinen Mann sagen, jetzt komm aber mal zum Punkt.

Also:

Am schönsten aber sind die faulen Sonnentag zu Hause - ohne Arbeit, ohne Verpflichtungen - einfach nur tun, was man will. Man geht zum See und schwimmt, geht nach Hause mit frischem, duftendem Brot, danach mit einem Buch auf die Terrasse und dann - wenn es richtig heiß wird - nach drinnen. Aufs Bett im abgedunkelten, kühlen Schlafzimmer, die Vorhänge wehen leicht und nach ein bißchen Schlaf gibt es ein frühes Glas Wein, Pasta und Gemüse und dann vielleicht noch ein Eis.

Jedesmal, wenn wir einige solcher Urlaubstage haben, der 3. und 4. Tag ist noch schöner als der 1., ins Tagesprogramm kommt vielleicht noch eine Radltour, frage ich mich, warum eigentlich überhaupt was anderes machen und wegfahren.

Doch dann ist sie da, die Lust, einfach los zu fahren, nicht genau zu wissen wohin, und zu schauen, wo wir am Ende es Tages sein werden, zu bleiben wo es uns gefällt und immer wieder - auch ganz in der Nähe - Dinge entdecken, die man vorher noch nie gesehen hat.

Natürlich haben wir Freunde und Bekannte, die auf allen Kontinenten zu Hause sind. Eine große Reise jagt die nächste. Wir kennen Backpacker und Kreuzfahrer (obwohl, da fällt mir gerade niemand ein), Segler und Liebhaber von Orten, wo es sonst kaum Touristen gibt (??). Aber irgendwie ist das nichts vor uns.

Wir reisen lieber - ob nur zu Hause oder auch unterwegs - in unserem eigenen Tempo.

Sehr gelacht haben wir über die Kommentare eines Bildes, daß wir bei einer Radltour im Retzer Land aufgenommen haben "Seid Ihr in Australien oder den Rocky Mountains oder wo sonst?

Es kommt halt nur auf den Blickwinkel an.

© MariaGrosch