Wiesnzeit

Es ist Wiesnzeit und wie immer kann man schon Wochen vorher merken - es geht los. Alles ist wie jedes Jahr und doch auch ein bißchen anders.

Was war das für eine Wiesn in unserem ersten Jahr in München. Wir hatten - wie alle Münchner um diese Zeit - Besuch (auch mit Übernachtung) und kaum war der Einzug der Festwirte vorbei, waren wir auch schon im Zelt. Eine Mordsgaudi - wie man so schön sagt. Am Ende standen wir auf Tischen und Bänken und haben laut mitgesungen. Die italienische Großfamilie, die mit uns feierte, kannten wir gar nicht, aber wir waren schnell für diesen Tag adoptiert.

Oder die Wiesn ein paar Jahre später, wo ein lieber Freund aus England zu Gast war, und wir schon nach einer Stunde Theresienwiese, die völlig überfüllt war, in den nächsten Biergarten sind. Dort in schönster Septembersonne - immer ein besonders Licht - trafen wir dann Freunde, die auch geflüchtet waren (eher vor den Oktoberfestgästen in ihrem Zuhause) und hatten einen friedlichen, bierseligen und wirklich besonderen Nachmittag zusammen.

Immer gerne denke ich auch an einen frühen Nachmittag bei der Fischervroni mit Steckerlfisch - in meiner Erinnerung immer noch der beste Steckerlfisch den ich überhaupt je gegessen habe. Meine Schwester und ich hatten uns ein Taxi zur Wiesn gegönnt und genossen einfach den Nachmittag im lauten Trubel und haben uns treiben lassen. Das Besondere an diesem Tag kann ich gar nicht beschreiben, irgendwie vielleicht das Gefühl wieder Kind zu sein und den herbeigesehnten Jahrmarktsrummel jetzt endlich um sich zu haben.

Ein wirklich geliebter Besuch ist inzwischen nicht mehr möglich. Noch bis vor wenigen Jahren konnte man am Freitagabend vor Beginn der Wiesn ganz in Ruhe durch Bierzelte und die Straßen mit den Schaustellern und Buden schlendern. Alles fertig, die Festzeltkapellen übten noch in einigen Zelten für den nächsten Tag, überall wurde letzte Hand angelegt und man hatte das Gefühl, man hat die Wiesn ganz für sich alleine.

Dieses Jahr werde ich - so der Plan - mal wieder mit der Krinoline fahren und an der Tobaggon, der Riesenrutschbahn von 1906, stehend mich köstlich über die Fahrgäste amüsieren, die glauben, sie könnten es und dann merken, was alles passieren kann.

Alles hat seine Zeit - gut zu wissen, welches gerade die ist, in der es einem besonders gut geht. Und mir geht es da nicht nur um die Wiesnzeit....

© MariaGrosch