Das Bürmooser Hagelwunder

Es war in diesem unglaublich heißen Juli 2009, brütende Hitze bei 39 Grad, als wir eine Woche lang unsere Freunde aus der Steiermark zu Gast hatten. Viel zu schnell verging die wunderbare Woche. Der Abreisetag wurde noch ausgiebig im Garten ausgekostet, unsere Freunde verabschiedeten sich schweren Herzens, und wir räumten die Badesachen ins Haus – was für ein perfekter Sommer! Dachten wir...

Plötzlich verdunkelt sich der Himmel, richtig unheimlich, ein kühler Wind zieht auf, wir hören ein dunkles Dröhnen und ahnten nichts Gutes. Und ein paar Sekunden später höre ich meinen Mann schreien: "Lauf ins Haus, schnell!!!". Ich schaff’s gerade noch unters Vordach, sehe noch, dass unser armer Hund draußen ist, da prasseln tennisballgroße Hagelkörner herab. Lebensgefährlich! Unser neues Auto - komplett zerstört innerhalb Sekunden! Da hetzt mein Mann um die Ecke, die Augen weit aufgerissen und brüllt: "Um Himmels Willen,wir haben kein Dach mehr !" Totales Chaos! Ohnmächtig sehen wir zu, wie das Wasser aus den Elektroleitungen schießt. In einem kurzen Moment der Klarheit will ich einen Notruf absetzen – aber keine Chance, alle Leitungen überlastet. Den Nachbarn ging es ebenso.

Wer immer vom Hagelschlag verschont blieben, Freunde, Verwandte, kam nach dem Unwetter zu uns. Bis Mitternacht schaffen wir’s, das Dach notdürftig mit Planen abzudecken. Als wir fast fertig sind, bricht mein Mann plötzlich durch das kaputte Dach und reißt sich dabei den ganzen Unterschenkel auf. Er blutet extrem stark, und bei mir liegen alle Nerven blank – die Tränen rennen nur so runter ohne Ende. Notaufnahme Krankenhaus, Wade genäht, dann gleich wieder nach Hause, denn da war ja alles kaputt. Die ganze Nacht kontrollieren wir ständig die Planen, ob alles stabil bleibt. Und mit der Morgendämmerung wird uns dann das ganze Ausmaß der Katastrophe klar: Hausdach zerstört, Garten völlig verwüstet, Auto total zerbeult, und überall liegen noch immer diese riesigen Hagel-Eisklumpen herum. Der Kopf spielt verrückt, wenn einem Hab und Gut innerhalb von Minuten zwischen deinen Fingern zerrinnt.

Aber die Hoffnung klingelt an der Tür. Freunde, Nachbarn, Verwandte, alle kommen wieder, um zu helfen. Die einen bringen Werkzeug, die anderen Jause, wieder andere tröstende Worte. Es ist überwältigend! Tagelang helfende Hände im Haus und im Garten, ohne jemals auch nur ansatzweise was dafür zu verlangen. In der Not halten Menschen zusammen. Und innerhalt von zwei Wochen wird aus der Ruinenlandschaft wieder ein Haus mit Dach und ein Garten mit zumindest Rasensamen.

Am darauffolgenden Sonntag hatten mein Mann und ich unseren 40. Hochzeitstag. Aber uns war überhaupt nicht zum Feiern zu Mute, als plötzlich meine Cousine anklingelt. Und da war sie, die Überraschung: Unsere Freunde, die uns eh so reich mit ihrer Hilfe beschenkt hatten, haben jetzt auch noch Pferdekutsche und ein Sektfrühstück im Grünen organisiert. Es war wie Weihnachten und Ostern zusammen.

© Marianne Steinmaßl