Abschied

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Am Donnerstag war es dann so weit. Der Tag meiner Entlassung ist gekommen. Ich hatte am Abend in der Zimmerruhe mein Entlassungsgespräch, zu dem auch meine Eltern kamen. Irgendwie hatte ich Angst vor der Welt da draußen. Was wenn alles wieder von vorne beginnt und ich wieder hier lande. Ich hatte echt Angst. Als dieses Gespräch vorbei war ging ich ein letztes Mal in das Zimmer 7. Das war in den vergangenen vier Wochen mein zuhause. Ich verabschiedete mich noch von Julia und Celin. Die beiden lagen am Schluss in meinem Zimmer. Von Diego und Manuel habe ich mich schon vor der Zimmerruhe verabschiedet. Laura habe ich allerdings versprochen, dass ich, wenn ich entlassen werde noch einmal bei ihr ins Zimmer komme.

Ich klopfte an ihrer Tür. Wir umarmten uns und fingen beide zu weinen an. Leider werde ich sie nicht so schnell wiedersehen. Ich wollte ihr noch ein kleines Andenken geben, dass sie mich nicht vergisst. Es war eine Kette die ein „M“ als Anhänger hatte. Das war von meinem Vater er hat sie mir aus Thailand mitgenommen. Und es war auch ein Engelsanhänger darauf. Meine Mutter hatte ihn mir geschenkt als ich ins Krankenhaus gekommen bin und sie sagte zu mir, dass dieser Engel mich beschützen wird und ich sagte auch zu Laura, dass der Schutzengel jetzt auch sie beschützen wird. Wir umarmten uns mindestens fünf Minuten lang und ich hätte niemals gedacht das mir jemand so wichtig werden kann, dass mir der Abschied von der Psychiatrie so weh tun kann.

Als ich dann das Krankenhaus verließ fühlte ich mich endlich komplett frei. Ich fuhr dann mit meinen Eltern nach Hause. Ich ging in mein Zimmer und sah eine Orchidee. Meine Mutter hat sie mir gekauft darauf war ein Zettel wo oben stand „Willkommen zuhause. Ich habe dich lieb.“ Ich ging zu ihr und umarmte sie und sagte, dass ich mich auch freue wieder zuhause zu sein und, dass ich so glücklich bin, dass wir auch diese schwere Zeit gemeinsam geschafft haben.

© Marie Steiner 29.08.2019