Gespräche über Gespräche

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Zwei Tage später fuhr ich wieder nach Steyr für diese Schularbeit. Da ich noch eine Stunde Zeit hatte, schaute ich in meiner alten Schule vorbei. Mein alter Klassenvorstand hat nämlich irgendwie mitbekommen, dass ich im Krankenhaus bin und deshalb fragte sie mich ob ich denn nicht kurz zu ihr schauen möchte. Das tat ich dann auch und ich habe echt lange mit ihr geredet. Und im Gegensatz zu vielen anderen hat sie meine Situation auch verstanden. Am Schluss nahm sie mich noch in den Arm und dann musste ich auch schon in die Handelsakademie gehen um die Schularbeit zu schreiben. Währenddessen ich sie schreib, kam mein BWL Professor rein um mit meiner OMAI Professorin kurz zu reden. Als er mich sah fragte er kurz ob er zu mir gehen darf was kein Problem war. Er redete mir gut zu und fragte mich auch wie es mir jetzt so geht. Nach der Schularbeit ging ich kurz einmal noch zu ihm und redete noch ein bisschen mit ihm. Ich habe ihm anerkannt, dass er sich Sorgen um mich machte was mir auch schon eine Freundin aus meiner Klasse geschrieben hatte. Danach ging ich noch zu meinem Klassenvorstand um mit ihr zu bereden, wie es weiter geht. Sie meinte, dass es das Beste wäre, wenn ich die Klasse noch einmal wiederhole um von Null zu beginnen. Einfach neu anfangen. Ich machte mir dann bei meiner Zugfahrt zurück ins Krankenhaus die ganze Zeit Gedanken darüber was ich nun machen soll. Wäre es besser, wenn ich zwei Nachprüfungen und einen Test im Herbst schreibe und die ganzen Sommerferien lernen muss, oder dass ich einfach neu beginne und das Jahr wiederhole. Ich besprach das auch mit meinen Therapeuten und auch mit einer Krankenschwester, zu der ich großes Vertrauen hatte und es sagten eigentlich alle bis auf eine, dass ich die Klasse wiederholen sollte. Ich besprach das dann auch noch mit meinen Eltern und auch sie waren für einen Neustart. Am nächsten Tag teilte ich meinem Klassenvorstand mit, dass ich wiederholen werde.

Bei uns war jeden Dienstag und Donnerstag Visite. Als es in der nächsten Woche am Dienstag so weit war fragte die Ärzte wie es mit meiner Entlassung aussieht. Sie waren eigentlich alle ziemlich positiv darauf gestimmt und dann beschlossen wir, dass am Donnerstag mein letzter Tag hier sein wird und ich endlich entlassen werde. Meine Freude konnte man in diesem Moment eigentlich nicht beschreiben. Ich war so glücklich darüber. Ich erzählte das auch gleich Laura und den anderen. Sie waren allerdings nicht so erfreut darüber. Nicoletta ist mittlerweile schon entlassen worden aber Laura, Manuel und Diego waren nicht glücklich darüber. Sie hatten mich genauso ins Herz geschlossen wie ich sie. Am Abend dachte ich darüber nach und auch ich wurde ziemlich traurig. Die Kinder auf der J301 wurden zu meiner zweiten Familie und ich wusste schon, dass ich sie vermissen werde.

© Marie Steiner 29.08.2019