Der Pfützenlauf

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Der Pfützenlauf | story.one

Ein ansonsten staubiger und zugleich wunderschön am östlichen Mittelmeer gelegener Campingplatz auf Korsika befindet sich gerade in einem Wettertief. Es regnet. Manchmal wird daraus dann ein fetter Schauer. Dicke Tropfen pladdern auf das wabbelige dünne Dach meines Vorzelts und ich habe keine Ahnung, wie lange es diesen Regen noch aushalten wird, bevor die ersten Rinnsale sich ihren Weg ins Innere bahnen. Noch während ich darüber nachdenke sehe ich die kleinen Bächlein, die von außen an den Ecken und Stangen entlang von oben herab genau auf meine Bodenmatte laufen und sich in Windeseile fortschlängeln, um die saugenden Ecken des Flickenteppichs zu tränken. Na wunderbar. Also schnell her mit dem Holzhammer und ab nach draußen. In vornüber gebeugter Haltung reiße ich die ohnehin losen Heringe heraus und löse die Schlaufen des Zeltbodens, um diesen schnell nach innen einzuklappen. Im Nacken und auf dem Rücken spüre ich die warmen dicken Tropfen, die beim Aufrichten wie auf Kommando den Weg nach unten über meine nackte Haut suchen. Gänsehaut. Schnell verschwinde ich wieder im feuchtwarmen Vorzelt und schließe die Reißverschlüsse. Ich setze mich auf den Campingstuhl und beobachte, was aus den Bächlein wird. Sie versickern, zunächst jedenfalls. Doch dann sehe ich sie, die Pfützen, rechts vor mir und gleich daneben noch eine. Und sie wachsen ins Innere. Das Wasser sammelt sich schneller als es versickern kann. Der Liegeplatz für meine Hunde wird zunehmend kleiner. Endlich eine Regenpause. Schnell nutzen meine Freundin und ich die Gelegenheit und legen hundert Meter weiter am Meer einen Saunagang ein. Wunderbar! Auf dem Rückweg zur Dusche laufe ich barfuß durch die Pfützen. Das Regenwasser ist lauwarm und weich. Erinnerungen an Campingurlaube mit meinen Schwestern erwachen und ich spüre die Freude aus Kindertagen, an denen wir händchenhaltend und laut juchzend in die Pfützen gesprungen sind, die sich vor unserem Zelt gesammelt hatten. Auf Kommando : eins, zwei, drei und rein, patsch. Lautes Gelächter. Am liebsten barfuß. So wie heute. Schade dass ihr zwei jetzt nicht hier seid, ich würde es sofort wieder tun.

© Mariefu 21.09.2019