Das große Glück einer Oma-Liebe

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Das große Glück einer Oma-Liebe | story.one

Ich habe das besondere Glück noch eine Oma zu haben. Mit ihren 91 Jahren ist sie der positivste Mensch, den ich kenne. Und bei Gott sie würde jeden Tag, alleine wegen ihrer Gesundheit, 100 Gründe finden können, zu jammern und das Leben nicht schön zu finden. Sie macht es aber nicht. Sie findet immer einen Weg sich auf eine positive und wohltuendere Seite zu stellen - egal was sich ihr gerade in den Weg stellt. Was für ein Vorbild. Was für eine Heldin des Lebens. Ja irgendwie ist es so was wie ihr Lebenselixier.

Ich hatte das große Glück, dass ich viel Zeit bei ihr und meinem Opa verbringen durfte. Oma und Opa waren immer für uns da. Mit ganz viel Wärme, Liebe und Verständnis. Einfach da. Sehr unaufgeregt, im Nachhinein betrachtet. Sie hatten sich weiter weg von der kleinen engen Wohnung, in der sie lebten, einen Garten angelegt. Da blühte und summte es. Beeren direkt vom Strauch naschen - ein Traum - mit Spuren überall. Opas legendäre Koteletts gegrillt, auf einem vielleicht A4-großen Griller auf einem alten wackeligen Tisch, lassen mich gerade schmunzeln. Und vor lauter ratschen, sind sie schon mal verbrannt. Aber das war egal. Er grillte mir und meinem kleinen Bruder auch immer das Brot. Wir liebten das und ich spüre jetzt in der Erinnerung dieses Knacken, wenn ich hinein gebissen habe und welchen Spaß wir dabei hatten. Die ganz einfachen Dinge haben Sie uns Kinder einfach erleben lassen.

Der Garten war eine große Spielwiese für uns und der Wald nebenan mit einem Baumhaus hat unser Spielfeld noch größer, bunter und lebendiger gemacht. Wir sind da stundenlang herum gerannt, haben Stöcke und Steine gesammelt, Gänseblümchen-Kränze gebunden, Gras-Suppe mit Löwenzahn gekocht. Und Oma und Opa haben sie mit ganz viel Freude gegessen. Sie waren da und wir konnten uns auf sie verlassen. Dabei haben sie uns nie zu viel eingeschränkt. Nur ein paar Regeln aufgestellt. Klar, aber nie laut.

Heute ist Opa seit fast 20 Jahren tot. Oma ist nach zwei Jahren Trauer und viel Schmerz, dann doch bei uns geblieben. Wir sind glücklich sie noch bei uns zu haben. Und sie ist beim Karten spielen gefinkelt, wie eh und je. Mit Ihrer Endlichkeit konfrontiert verstehe ich gerade jetzt wie groß diese Liebe war und ist, weil sie war und ist bedingungslos. Sie und Opa haben sicherlich nicht immer alles verstanden - gerade auch später nicht - wie uns was wir so machen im Leben, wie wir uns entscheiden, was sich in unseren Beziehungen abspielt. Aber die Liebe zu uns war immer größer.

Je mehr mir diese Liebe bewusst wird, desto lebendiger wird diese Liebe in und zu mir. Sie hat mich immer so geliebt, wie ich bin. Schön langsam, und es wird aber auch Zeit, liebe ich mich so, wie Oma es schon immer getan hat. Danke Oma! Diese Liebe und Wärme und einen wohlwollenden Blick auf die Menschen und das Leben sind ab heute mein unantastbares Lebenselixier und mein Herz wird sich immer wieder danach ausrichten. So wie du es bis heute tust.

© Marina 24.05.2019