Der Chinese an und für sich.

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Der Chinese an und für sich. | story.one

Das Busterminal neu im Nonntal drohte schon alt zu werden, bevor sich die Stadt zu einer sinnvollen Umleitung der mehrrädrigen Touristentransporter auf das wunderschöne Parkgelände entschlossen hat. Im Gegensatz zur völlig überlasteten Paris-Lodron-Straße empfangen hier sogar ein millionenteurer Toilettenpalast und ein wesentlich günstigerer Getränkeautomat die wasserlassenden oder –suchenden TouristInnen aufs Freundlichste.

Was den vornehmlich aus dem asiatischen Raum einfallenden Horden aber eher wurscht ist, weil sie nur drei Stunden Zeit für die Stadt haben. Sofort nach der Ankunft versammeln sie sich also vor der Uni – und zwar vorzugsweise in Massen auf dem Radweg. Geschickt verteilen sie sich breit gefächert und plaudern so lauthals, dass keine noch so große Klingel auch nur den Bruchteil einer Chance für Gehör vorfinden kann. Kein Wunder: So viel Platz sind sie ja nicht gewohnt, der Herr Wan Sin mit seiner Frau Mai Ling.

Wie dem auch sei – man wundert sich und freut sich mit den Shops in der Altstadt über deren prospektiven Geschäfte. Die freuen sich aber gar nicht, weil es keine Geschäfte gibt. Schließlich sehen die meisten der Engäugigen ja weder Auslagen noch Eingangstüren, weil sie permanent auf ihre Selfiesticks achten müssen. Was zu absurden Situationen führt, weil sie sich immer wieder gegenseitig finden, indem sie aufeinanderprallen.

Da kommt einem dann schon so manches Mal ein hämischer Lacher aus. Oder wie es auf einem Glückskeks stehen könnte: Ich habe heute leider kein Foto für dich!

© Mark Schneider 24.05.2019