Ist mir doch Wurst.

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Ist mir doch Wurst. | story.one

Süß oder scharf? Kren, Zwieferl oder Pfefferoni dazu? Semmerl, Stangerl, Weckerl, Brot? Nichts ist schwieriger als bei der schnellen Jause die richtige Kombination zu treffen, ohne sich im gierig lauschenden Umfeld als kompletter Brätbanause zu outen. Die Kunst des Wurstgenusses ist nämlich keine Frage des Geschmacks, sondern der richtigen Bestellung.

Die gefühlten nahezu 100 Würstelstände Salzburgs gehören zum Leben der Einheimischen wie ihrer Gäste. Denn: Kenner und Liebhaberinnen der gepflegten Wurst wissen sehr wohl zu unterscheiden, wann und wo die eine oder andere Spezialität zu sich genommen werden muss. Es ist zum Beispiel ein gewaltiger Unterschied, ob man sich am Donnerstag um 5.30 Uhr auf der Schranne eine frische Weiße mit Handgebäck, am Samstag inmitten des Who-is-who der Stodinger am Grünmarkt eine Zigeuner extrascharf mit Kornspitz oder spätnachts bei der Königin der Würstelnacht eine Käsekrainer, aufgeschnitten und mit allerlei pikanten Beilagen versehen gegen den Brand als vorweggenommenes Katerfrühstück verköstigt.

Aber einmal mehr bestätigt eine einzige, aber köstliche Ausnahme die Regel. Sie nennt sich „Bosna“ und ist die wahrlich einzig offiziell akzeptierte Grillvariante im Salzburger Brühwurst-Paradies. Dieses Wurstsandwich soll hier sogar erfunden worden sein, und zwar 1950 von einem Bulgaren namens Zanko Todoroff, dessen „Balkan Grill“ bis heute existiert und in jedem Touristenführer zu finden ist. Bei der „Bosna“ handelt es sich um zwei gegrillte Schweinswürste in getoastetem Weißbrot mit rohen Zwiebeln, Petersilie und einer Gewürzmischung, deren Hauptbestandteil Curry ist. Die genaue Zusammensetzung der Mischung wird allerdings ebenso wenig verraten wie die seiner Kundschaft, zu der zahlreiche Prominente zählen sollen.

Zur Strafe gibt es Spätfolgen: Der typische „Bosna“-Mundgeruch ist nämlich ziemlich hartnäckig. Trotzdem: Mahlzeit!

© Mark Schneider 24.05.2019