Neulich in Ulm.

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Neulich in Ulm. | story.one

Aus gutem Grund mal wieder in der wohl bekannten und nach wie vor geliebten Donaumetropole herumgeschwäbelt. Grad schee wars.

Natürlich muss man sich dann nach nahezu 35 Jahren selbstgewähltem Exil schon fragen, was eigentlich den angeblich vermissten Charme der Schneider-von-Ulm-Stadt ausmacht. Gotik statt Barock? Protestantisch statt katholisch? Slang statt Dialekt? Macht’s nicht leichter, kann man jetzt genau so stehen lassen.

Obwohl: Der Vergleich mit Salzburg macht sicher. Denn die eigentlich widersprüchlichen Ähnlichkeiten der beiden Städte sind frappant. Zum Beispiel was die Mentalität betrifft: Hier wie dort und andersrum besticht die wirklich einheimische Bevölkerung mit einem unglaublichen Selbstverständnis und einer bravourösen Egomanie, die den Rest der jeweiligen Welt zu unehrwürdigen Statisten süffisant in die Tiefen der Belanglosigkeit spült. Tradition spielt in beiden selbst ernannten Metropolen der Wir-sind-schon-was-ganz-Besonderes-Mentalität eine große Rolle, wobei man sich gleichzeitig nach außen hin ganz gerne das Mäntelchen einer Möchtegern-Großstadt der Moderne umhängen will.

Tatsache ist, dass sich das jeweilige Außenbild von dem der Eigenansicht doch deutlich unterscheidet – was allerdings den Charme beider Städte durchaus zuträglich ist. Kurzum: Man kommt nicht umhin, sich da wie dort ziemlich wohl zu fühlen, wenn man weiß, was man will. Und wenn nicht, dann nicht.

Wieso um alles in der Welt sind die zwei eigentlich nicht Partnerstädte – sie würden sich gut verstehen.

© Mark Schneider 24.05.2019