Kilimanjaro-mein Weg auf den Kibo

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Kilimanjaro-mein Weg auf den Kibo | story.one

Ich komme aus einem Dorf in Niederöstereich, wo die Bevölkerung oft höchstens nach Tirol, Italien und vielleicht Kroatien reisen. Als ich nach dem ganzen Maturastress einfach nur noch von hier weg wollte und es mich nach Afrika zog, wusste ich, dass viele meine Pläne für ,,unsinnig" halten. Doch ehrlich gesagt war mir das egal. Ich wollte den Alltag entfliehen und wo geht das besser als am Berg?

Wenn es eine Skala von erfahrenen -und unerfahrenen Wanderern geben würde, würde ich bei Unerfahren -10 liegen. Nicht übertrieben! Noch nicht einmal am Schneeberg war ich, der gerade einmal 2076m hoch ist. Doch ich wollte unbedingt auf den höchsten Berg Afrikas.

Ich flog nach Tanzania, wo ich meine Tour auf den Kilimanjaro startete. Mit einer mir noch unbekannten Reisegruppe war ich sieben Tage auf dem Berg unterwegs. Jeder der Tage war anders. Einmal spazierte man mit Affen durch den Regenwald und am nächsten Tag dachte man, man sei in der Wüste. Die Nächte waren so kalt, dass ich oben sieben und unten vier Schichten, drei paar Socken, Wanderschuhe, Haube und Handschuhe trug. So lag ich im Zelt.

Der Aufstieg vom Base Camp auf den Gipfel war hart für mich. Geschlafen habe ich die letzten Tage wegen der Kälte nicht und das Hungergefühl habe ich wegen der Höhe auch verloren. Um 22:00 Uhr machten wir uns auf den Weg. Irgendwann verlor ich meine Gruppe, da ich mich öfter übergeben musste. Irgendwann traf ich auf eine Ärztin, die mir irgendein Medikament gegeben hat. Nach einer Zeit stieß ich auf David, der Älteste der Gruppe mit seinen 62 Jahren, gab mir ein Bussi und machte mir Mut. Nach ca. zehn Stunden erreichte ich dann endlich den Gipfel. Das Gefühl war unbeschreiblich. Als ich oben angekommen war, habe ich nicht ansatzweise realisiert, dass ich nun auf 5895m stehe.

Diese Nacht werde ich so schnell nicht vergessen, wobei ich mich wegen des Sauerstoffes nicht mehr an alles erinnern kann. Kennen Sie das, nach einem Traum aufzuwachen und nur noch Bruchteile zu wissen? So erging es mir in dieser Nacht. Ich erinnere mich nur noch an kurze "Rückblicke", wie in einem Film, zum Beispiel, dass man die Lichter von ganz Moshi sehen konnte, oder dass ich während dem Gehen eingeschlafen bin und mir den Wanderstecken in mein Gesicht gehauen habe.

Zurück im Base Camp um 9:00 Uhr begannen plötzlich alle für mich zu applaudieren, als ich eingetroffen bin. Da habe ich zum ersten Mal nachgedacht, was ich eigentlich geschafft habe. Normalerweise bin ein Mensch, der meistens unzufrieden mit sich selbst ist, doch so stolz wie an diesem Tag war ich noch nie.

Als die Wanderung vorbei war und wir wieder ins Hotel kamen, bestellten wir uns ein Kilimanjaro Bier und ich müsste lügen, wenn das nicht das beste Bier war, was ich je getrunken habe.

Eine Frau aus der Gruppe sagte beim Abschied zu mir:"Wenn etwas schief geht, denk immer daran, was du alles schon geschafft hast." Seitdem wenn bei mir etwas nicht klappt, denke ich immer an meinen Weg auf den Kibo.

© Marlene Gallhuber