Die Stadt gehört wieder mir…

Wie beim „Rattenfänger von Hameln“ laufen Fremde angelockt von Festspiel-Klängen in die Stadt um den Zauber zu erleben, der Salzburg umgibt. Sie genießen Künste und Musik, die uns Komponisten hinterlassen haben und die uns Stars der Salzburger Festspiele bis heute zwischen barocken Bauwerken präsentieren. Ein Hochgenuss für jeden Auswärtigen!

Ohne diese „Verzaubertheit“ betrachte ich meine Stadt als Einheimische: „Salzburg eben, das kenne ich, so sehe ich meine Stadt täglich um 19.00 Uhr in Salzburg heute.“ Mein Interesse für die Schönheit meiner Stadt entflammt erst wieder, als ich 30 werde und zum Jubiläumstag von Freunden und Familie eine ganz persönliche Stadtführung bekomme. Wir ziehen los in einer Gruppe von jungen und alten Leuten – rund zwanzig Köpfe, die meine Wegbegleiter, Studienfreunde, engsten Vertrauten und einfach lustige Gesellen sind. Sie zeigen mir Plätze meiner Vergangenheit, führen mich an Orte die mir lieb geworden waren, weil sie mich an Begegnungen erinnern, weil sie für mich Orte mit Bedeutung sind.

Ich erinnere mich an den Halt beim Salzburger Landestheater und daran, dass ich dort das erste Mal ohne Eltern ins Musical gegangen bin, um mich vom Blumenmädchen Eliza Doolittle aus „My fair Lady“ verzaubern zu lassen. Ich denke aber auch gerne an den Platz an dem mich meine langjährige Freundin führt: Einen Ort der Stille, in den Sebastianfriedhof und an den Aufstieg auf den Kapuzinerberg. Bis zum Festspielhaus am Max-Reinhardt-Platz laufen wir vors „Affentor 1“, der Skulptur von Jörg Immendorff, an der meine Kletterfreunde mir mit geschickter Klettertechnik zeigen, wie man Kunstobjekte erklimmt und das eigene Gesicht neben das der Affen streckt, um der Welt und dem Leben mit Humor zu begegnen. Ganz anders und zwar bedacht geht es weiter hinter den Kulissen vom Festspielhaus, wo Videokunst gezeigt wird und mir Musik - nicht von Mozart - sondern von der Rapperin Fiva, geschenkt wird. Die Stadttour klingt aus, wir stehen im Kreis im Mirabellgarten, mitten unter vielen Besuchern die ihre Köpfe verwundert nach uns richten - ganz so als ob sie die Melodie in meinem Kopf hören könnten, die lauter wird und sie mit mir die Rappstimme von Fiva hören. Sie singt: „Ich werd weiter suchen und ich werd etwas finden… die Stadt gehört wieder mir!“

Da ist die nächste Erinnerung vom Rosengarten - dort wo ich heute die vielen Gäste sehe und ich ehemals mit meiner Schwester und meiner Mutter saß um Erdbeereis zu essen - da frage ich mich, ob sie wohl ähnlich schöne Erinnerungen, einen Lieblings-Platz und auch so eine perfekte Stadt wie ich haben?

Bildquelle: © SalzburgerLand Tourismus

© Marlene Suntinger