Prince, Bon Jovi ... und ich

Es gibt Geschichten, die einem einfach niemand glaubt, obwohl sie wahr sind. Diese hier handelt davon, dass Prince, Musikgenie und Weltstar, ein „Privatkonzert“ gegeben hat – vor 14 Menschen. Darunter John Bon Jovi und... ich.

Antenne Bayern hatte Mitte der 90er Jahre ein 3-Tage-Rockfestival am alten Flughafen in München-Riem gesponsert, der Hauptact war Prince. Ganz München war in Aufruhr. Jeder wußte: Prince gibt nach seinen Konzerten immer noch geheimes ein After-Show-Konzert. Und da wollte natürlich jeder dabei sein. Der „sichere Tipp“: Das Park-Café.

Während des Festivals hatte ich seine deutsche Tourmanagerin kennengelernt. Also dachte ich mir, wenn einer weiß, wo dieser Geheim-Gig stattfindet, dann sie. „Das darf ich nicht sagen“, so die knappe Antwort, dreht sich um und geht.

Als dann Prince den 100tausend Fans in Riem eine wirklich große Show abliefert, stand sie plötzlich wieder neben mir. „Kommt Prince später wirklich ins Park-Café?“ Sie nahm mich bei der Hand und zog mich ums Eck, wo’s ein wenig leiser war. „Das darf ich dir nicht sagen!“ (Betonung auf SAGEN!) „Dann blinzle jetzt mit den Augen, wenn er wirklich dort spielt.“ Nicht ein Muckser. Aha...

Ich: „Wo spielt er dann?“

Sie: „Darf ich dir nicht sagen.“

Ich: „Ach komm, biiiitte.“

Sie überlegt kurz und deutet mit dem Finger auf den Boden: „Hier vielleicht?“

Ich: „In Riem gibt’s nur die alte Abflughalle D...“

Sie blinzelt wie wild mit den Augen!

Ich: „Wann?“

Sie läuft davon, dreht sich aber kurz um und lächelt: „Versuchs mal so um halb 2“.

Ich informiere natürlich sofort alle meine Kolleginnen und Kollegen, alle meine Freunde: Halle D! 100% sicher! Aber niemand glaubt daran, dass es wirklich stimmt. Und so pilgern sie alle nach dem Konzert ins Park-Café. Außer mein Kollege Ralf und ich.

Punkt halb 2, Halle D, außer uns beiden keine Menschenseele weit und breit. Ein paar Minuten später sind wir ganze 14 Leute. Wir hatten auf das falsche Pferd gesetzt. Im Park-Café ging vermutlich gerade die Post ab. Verdammter Mist!

Plötzlich geht ein Vorhang nach oben, ein paar Scheinwerfer gehen an, und auf der kleinen Bühne steht - Prince himself mit seiner ganzen Band. „Welcome to my after-show!“

Wir 14 Glücklichen! Prince war etwa eine Armlänge von mir entfernt, ich hätte ihn anfassen können, so nah. Seine Schuhe hatte extrem hohe Absätze – nun, er war ja auch nicht besonders groß gewachsen. Und neben mir erkannte ich irgendwann den nächsten Rockstar: John Bon Jovi, der am gleichen Abend die Olympiahalle gerockt hatte...

Prince spielte Gitarre, Schlagzeug, Piano, Percussions und Bass. Und er performte nicht nur seine eigenen Hits, sondern auch Songs von den Beatles, den Stones, sogar von Elvis Presley... Es war unfassbar! John Bon Jovi tanzt neben mir, während Prince für ganze 14 Leute fast zweieinhalb Stunden Musik macht. WOW!!!

An seinem Todestag war ich echt betroffen und traurig. Aber wann immer ich ein Lied von Prince im Radio höre, muss ich lächeln.

© Martin Blank