Hommage an unsere Eiche

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Mein Bruder u I haben schon als Kinder unter unserer Eiche in Anif mit Baggern im Kies gespielt bei Besuchen bei unserem Opa Fritz. Sie war schon da u groß als meine eigne Mutter geboren wurde, in ihrem Zimmer ihr Rauschen hörte. Der Sohn meines Cousins Manfred wuchs auch mit ihr hier auf, zumindest die ersten Jahre.

Ihren Eicheln verdankten meine Großmutter u ihre 3 Kinder im 2. Weltkrieg u danach Ersatz-Kaffee in der Versorgungsnotlage, mein Großvater war in Kriegsgefangenschaft. Die Kinder der hier einquartierten US-Soldaten liebten sie wohl auch. Es ist denkbar meine eignen Eltern standen unter ihr als sie nach ihrer Hochzeit in Salzburg hier waren. Sie sah die Trauer um den Tod meines Onkels Fritz jun genauso wie die fröhlich unter ihr spielenden Enkerl wie uns u die Vorstellungsbesuche der neu hinzugekommen Butzile bei den Großeltern.

Meinem lange allein hier lebenden Großvater diente sie oft als Trost, gedankliche Stütze. Natur u Fauna waren dem Rosenliebhaber, Hobby-Imker immer sehr nah, wichtig. Nach seinem Tod war sie für eine lange Reihe von Mietern Bezugspunkt u Kommunikationsgrund mit den wegen Laubrechens erbosten Nachbarn usw usf.

Als I hier einzog liebte I sie von Anfang an, kämpften wir u retteten sie wohl durch beherzte Einschnitte bzw Abschneiden ihrer kranken Äste. Sie wird so hoff I wohl noch da sein wenn I selbst scho am Friedhof lieg. Träumend im Bett liegend ihr Rauschen im Wind zu hören hat mich oft unheimlich bewegt u inspiriert. Ihre Dauerhaftigkeit und Da-Sein macht sie für mich zu unverzichtbarem Teil des Hauses u Lebensgefühls. Sie ist Symbol für Dauerhaftigkeit, Robustheit u Lebensfreude der Natur die jedes Jahr neu aufblüht, gedeiht, Früchte bringt u Laub abwirft.

Wer bereits einen Baum oder ganzen Wald pflanzte, ihn hegte u pflegte über Jahrzehnte kann wohl erst erahnen was es bedeuten würde diesen Baum in Sekunden umzulegen. Diese Mühen machen das Entsetzen von Förstern, Waldleuten verständlich, wenn sie vor Sturmschäden u geknickten Wäldern fassungslos die Jahrzehnte Umsonst-Sein erkennen müssen.

Nun hab ichs gewagt u. bin mutig IN die Eiche gestiegen, hab einige Meter in dieses Wunder Baum getan, auf nem abgesägten AstRast genommen. Hier geschützt u geborgen in luftiger Höhe sitzen, unentdeckt und doch live am Geschehen dran in Einem. Dieses riesige Ökosystem hautnah erleben u fühlen, diese Kraft die über ein Jahrhundert wohl heranwuchs spüren als kleiner kurzlebiger u kurzatmiger Mensch. Menschlichen u oft allzumenschlichen Alltag mit "Dramen u Krisen" zurücklassen beim Aufstieg, wie in seligen Kindertagen im heimischen Apfelbaum. Echter Kraftquell fast. WOW.

DANKE diesem wertvollen Lebewesen in meinem Leben das so aktiv lebt, felsenfest steht, für soviel Gutes, Schönes. Heute war I das erste Mal ihr ganz nahe auf ihren Ästen sitzend in luftiger Höhe auf sicherem, in ihr geborgenem Platz. Auf noch viele Jahre, Jahrzehnte für- u miteinander, vielleicht für meine Enkerl sogar.

© Martin Borger