Ein stiller Tag

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Ein stiller Tag | story.one

26. Februar, 11:00 Uhr, ich liege auf der Couch im Wohnzimmer. Gedanken durchströmen mein Gehirn und schleichen gleichsam durch meine Ganglien. Bilder tauchen auf, verschwinden alsbald wieder und vorsichtig klopft meine Seele an meiner Tür. Ich öffne mich dieser Begegnung. Das Glück der letzten Tage verblasst und eine Traurigkeit verdrängt alle schönen und glücklichen Gefühle. Das Leben, was wird es mir heute schenken? Ich vermisse sie, ich vermisse sie so sehr! Es ist mir, als hätten wir uns Jahre nicht gesehen. Ich versuche sie zu spüren, ihren wunderbaren Duft einzufangen. Ihr Blick mit den blauen Augen, der Kraft eines türkisfarbenen Ozeans, leuchten mir entgegen. Leicht , ganz leicht strömt mir wieder ein Hauch von Glück durch meine Seele und drängt meine Wahrnehmung hin zum Wunder meines Lebens. Ein Strahl der Sonne, die sich langsam aber unaufhörlich durch das Dunkel des Himmels drängt setzt sich auf mein Gesicht. Ich spüre ihn wie eine Leiter aus dem Dunkel des Augenblicks in ein wunderbares Licht. Ich steige ganz vorsichtig die Leiter empor und nehme meine große Dankbarkeit für mein Leben wahr. Ich hebe meinen Arm ergreife mein Handy und schreibe mein Glück und meine Gedanken an sie.

Heute ist ein stiller Tag, eingetaucht in leichten Nebel. Manchmal blinzelt eine Helligkeit durch den Dunst meiner Seele. Es herrscht Ruhe, durchbrochen von Blitzen der Gedanken, laute und leise. Die Gegenwart kriecht träge durch den Tag mit einem düsteren Kleid. Doch da erscheint ein Bild, der Ausdruck der Liebe, eine Freundlichkeit, die alles möglich macht. Eine warme Welle durchströmt mein Herz, es bist Du, die all mein Leben weckt, mich mitnimmt in die Kraft des Seins. Es herrscht Friede in unserer Kraft. Glückseligkeit scheint vom Himmel. Heute ist ein stiller Tag, das Glück ist so nah. Du wirst kommen und ich bin da.

Ich lege das Handy beiseite. Der Tag wird heller und kraftvoll nimmt mich eine Welle mit in das Jetzt. Jetzt ist das Leben, jetzt herrscht die Gültigkeit des Augenblicks. Es ist ein wunderbares Spiel der Gegensätze. Freude und Leid, Glück und Traurigkeit, Distanz und Nähe, Mann und Frau, Ying und Yang. Ohne diesem Spiel wäre das Laben nicht möglich. "Möge die Übung gelingen".

© Martin Flatscher 26.02.2020