... und ein Licht geht auf...

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... - so hoffe ich - sobald du folgende Fragen in deinem Kopf - ganz spontan, ohne zu lange zu Sinnieren - beantwortet hast.

Du gehst abends ins Bett und weißt, dass am nächsten Morgen ein großer Tag auf dich warten wird. Wie schaut dieser Tag aus?

Du wachst am nächsten Morgen bereits mit einem leicht erhöhten Puls auf. Du bist angespannt. Nicht, weil es dich kränken würde. Ganz im Gegenteil, es ist die Vorfreude. Kennst du dieses Gefühl? Wie schaut deine Vorfreude aus? Kannst du sie beschreiben?

Du weißt, dass du ab diesem Tag sehr viel Neues lernen wirst. Es sind Dinge, die dich lebensfähig machen. Was macht dich lebensfähig?

Es ist alles, wie du dir es vorgestellt hast. Alle sind glücklich, dass du da bist. Und nach einigen Begrüßungsritualen beginnt der Alltag. Du wirfst dich ins Zeug und bist höchst motiviert. Deine Neugier motiviert dich. Worauf bist du neugierig? Was motiviert dich?

Du willst dich weiterentwickeln, willst Neues lernen. Du probierst und experimentierst und ... STOPP. „Oh, dein Lösungsweg ist nicht der richtige. Schau, wie es die anderen machen. Die machen es richtig."

Dein Weg, die Aufgabe zu lösen, ist laut dieser Person, nennen wir sie Vorgesetz-te(r), nicht richtig. Alle anderen verwenden jenen Lösungsweg, der vorgegeben ist, also standardmäßig verwendet wird. Du hast diesen Weg auch versucht, doch bald bemerkt, dass du nicht vorankommst und hast dich deswegen dazu ent-schlossen, es anders zu machen. Wie reagierst du in einer derartigen Situation?

Du arbeitest weiterhin so, wie du es für richtig hältst. Nach und nach verknüpfen sich deine Synapsen im Gehirn. Du setzt dich grundlegend mit dem Thema auseinander. Du erkennst Zusammenhänge. Du bist drauf und dran das Thema in seiner Komplexität zu verstehen.

Irgendwann ist es soweit, dass die Vorgesetzten ein Ergebnis von dir sehen wollen. Und nachdem du ihnen dein Ergebnis präsentiert hast und sie dich befragt haben, erhältst du als Rückmeldung: „Ja, das war ganz ok. Du liegst im Durchschnitt. Aber herausragend war es nicht.“ Ist im Durchschnitt zu sein positiv oder negativ? Was sagt der Durchschnitt für dich aus?

Es muss Zufall gewesen sein, dass mir eine gute Freundin das Buch „... und ich war nie in der Schule“ von André Stern vor kurzem vor die Haustür legte. André Stern erzählt wie er als Kind gelernt hatte, wie er sich immer wieder von verschiedenen Themen hinreißen ließ, wie er trotz dem, dass er nicht in der Schule war, viele soziale Kontakte hatte. Er war nie Prüfungssituationen ausgesetzt, in dem auswendig Gelerntes abgeprüft wurde. Er wurde nie mit anderen verglichen oder in ein System gezwängt, in dem es nur richtig oder falsch gab. Er durfte immer sich selbst sein und fand dadurch immer seine individuellen Lösungsansätze. Er ist heute ein gefragter Referent, schreibt Bücher, ist nebenher Musiker und baut sogar seine eigenen Gitarren.

Weißt du nun, womit ich mit diesem kleinen Experiment hinauswill?

© Martin Ritter