Killer Queen

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Klack, klack, klack - She keeps Moet et Chandon/ In her pretty cabinet/ `Let them eat cake´ she says/ Just like Marie Antoinette/ A built-in remedy/ For Kruschev and Kennedy/ At anytime an invitation/ You can´t decline// Caviar and cigarettes/ Well versed in etiquette/ Extraordinarily nice// She´s a Killer Queen, Gunpowder, gelatine/ Dynamite with a laser beam/ Guaranteed to blow your mind/ Anytime.

Killer Queen, so mag man augenblicklich denken, regiert die Jetztzeit. Medial die mittlerweile immer gleichen Phrasen, die die ansteigende Zahl der Infizierten begleiten. 1991 hielt ich völlig überwältigt "Innuendo" in Händen. Innuendo, Zuwinken, Andeutung, etwas, was ich anfangs nicht verstand. Wenige Tage später war er, Mercury, tot. Da hatte ich verstanden. "The show must go on" erklingt am Ende des Albums, heute noch. Fünfundachtzig Prozent aller an Hämophilie, der Bluterkrankheit, erkrankten Kinder sind damals innerhalb kurzer Zeit verstorben. Die Gerinnungspräparate waren HIV-kontaminiert, man wusste es nicht und konnte es nicht testen. Achzehnmonatige Waisen habe ich in Südafrika gesehen, die Eltern von AIDS dahingerafft. Kerzen auf den Nachttischen der Erwachsenen verkündeten das nahe Ende. Das alles vollzog sich in aller Stille, unbemerkt und abgeschieden, fern jeder Öffentlichkeit. Zahlen sind wie Schall und Rauch, wenn ein kleines Waisenkind mir die Hand hält, ganz fest.

"All we hear is radio gaga, radio bla bla ..." Eine schöne Geschlossenheit und Sachlichkeit von Politik und Medien war da am Anfang. Jetzt, wo Neuigkeiten schon weniger werden und langsam eine Abstumpfung zu befürchten ist, da kommen sie, langsam und Stück für Stück, wieder hervor. Die parteipolitischen Grabenkämpfe, aufgemixt mit journalistischem Sensationsheischen. Ein toxischer Cocktail. Noch zurückhaltend, der Barkeeper aber, er schüttelt schon kräftig.

Ein italienischer Pater hat, so habe ich gehört, auf ein Beatmungsgerät verzichtet. Es jemand anderem überlassen, jemandem, den er nicht kannte, einem Fremden. Er wusste, dass er sterben musste, deswegen. Er hat es trotzdem getan. Er ist gestorben. "Is there time enough for peace/ But the lily of the valley doesn´t know". Er hat nicht "Save me" gerufen, sondern einfach vertraut, vertraut darauf, dass es - irgendwann, irgendwo - wieder gut wird. Das können so nicht alle. Wir aber können uns mehr auf uns selbst besinnen, Dinge tun für uns und andere, Stärke zeigen im täglichen Leben, ohne es gleich zu posten. Rückzug ist gut, Besinnung ist gut, Symbolik ist auch gut. Vielleicht kann aber auch einiges einmal im Stillen geschehen, unbemerkt, außer von jenen, für die es bestimmt ist.

"We are the Champions" höre ich Politiker schon singen, in der Setlist folgt dann aber meist noch "We will rock You". Die Frage wird dann sein, wer wen rockt. Und "God save the Queen", immer ganz am Ende, lassen wir mal weg, diesmal.

"Is this the world we created" ist das Letzte, was in mir erklingt.

© Martin Wald