Treten Sie nicht auf den Elefanten

  • 261
Treten Sie nicht auf den Elefanten | story.one

13.08.1997 - Zimbabwe - tief in der Steppe.

Wir waren zu Dritt unterwegs nach Chirundu an der Grenze zu Zambia, um dort einen Blick auf den Zambezi und die dortige Tierwelt werfen zu können. Am Vormittag hatten wir noch die Graphit-Mine bei Karoi - genannt Lynx - besucht, und waren nach einem Abstecher nach Kariba aufgebrochen, um ein Lager für die Nacht zu suchen.

Es gab zu der Zeit eine kleine Lodge im Chirundu, aber wir zogen es immer vor in unseren zwei Zelten in der Wildnis zu campieren. Für uns war das viel authentischer. Die Geräusche in der Nacht, die um einen herum sind und die Nähe zur Steppe war uns immer viel wichtiger. Außerdem bietet ein Zelt viel besseren Schutz gegen Mücken und damit auch gegen Malaria. So stellten wir unsere kleinen Tunnelzelte regelmäßig ca. 1-2 Meter neben dem Auto, jeweils links und rechts davon auf. In dieser Nacht entschieden uns für einen Platz nordöstliche der Strasse und ca. 500 m vom Zambezi entfernt.

Vor dem Abendessen durchsuchten wir unseren Wagen noch nach übrig gebliebenen Zitrusfrüchten, denn die mögen Elefanten auch, und so können Stoßzähne schon auch mal zu Dosenöffnern umfunktioniert werden.

Eine unglaublich schöne Erfahrung mitten in der Steppe bei Sternenlicht noch eine Kleinigkeit zu Essen, den Tieren und dem Wind zu lauschen und sich dann für die Nach in den Schlafsack einzukuscheln. Gerade noch im Traum vertieft - in dem ich in Mitten einer friedlichen Sippe von Löwen rum-laufe und denen durch die Mähne streichle (naja, das war jetzt erfunden, aber schön wär es trotzdem gewesen) - höre ich wie mir mein Freund aus dem Nachbar-Zelt etwas zu zischt. Irgendwas von Elefanten oder Hippos hier im Lager.

Ich reibe mir also gerade den Schlaf aus den Augen, als sich meine Zeltwand eindrückt und dabei ein schleifendes Geräusch entsteht. Der Dickhäuter wollte sich unsere Zelte und das Auto wohl etwa näher anschauen. Von Natur aus bin ich ein eher gelassener Typ und erwäge gerade meine Optionen - "wenn ich jetzt das Zelt aufmache, einem Jungtier in die Augen schau und die Mama steht gleich dahinter... Auch nicht lustig... Besser hier noch verweilen... Naja, spannend wär es schon... gäb sicher was zu erzählen, wenn dann noch einer zum Erzählen da ist", denke ich gerade so, als Alex wieder zischt, "Er hat sich etwas entfernt. Schnell raus aus den Zelten und ins Auto".

"Woher weiß er denn, dass der jetzt schon weg ist", denk ich mir noch in meiner Gelassenheit. Also zuerst mal Hose suchen - ah, da. Ich öffne mein Zelt und sehe meine beiden Freund schon platt ans Auto gestellt. "Bloß ruhig bleiben und nicht zuviel Lärm machen" - als gerade die Alarmanlage vom Auto los geht. Gerade, wenn man das gar nicht gebrauchen kann. Die ging sonst nie los.

Aber der Elefant oder die Elefanten - bis zum jetzigen Zeitpunkt wussten wir immer noch nicht, wie viele es waren - war mindestens ebenso relaxed wie ich. Wir stiegen schnell ins Auto ein und harrten einmal der Dinge.

© Martin Zwigl 01.12.2019