der Mann im Baum

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Nein! Das ist nicht die Fortsetzung von "Was bedeutet Frausein".

Ich liebe die Natur. Seit mein Hund in mein Leben getreten ist, noch viel mehr - manchmal auch, wenn ich gar keine Lust dazu habe, muss ich nunmal raus. In dieser Zeit einwenig anders. Ich versuche - aus Rücksicht auf mich, auf den Hund und auf ältere Menschen unsre Ausgänge zu reduzieren.

Also läuft unser Morgen so: Ich spare mir die Gassirunde, packe meinen Hund ins Auto und wir verbringen die erste Stunde des Tages im Wald. Herrlich, keine Menschen, kein Virus, nur Bäume. So trotten wir dahin auf einem wunderbaren Güterweg. Links und rechts geht die Böschung steil bergauf bzw. bergab. Bäume wohin das Auge sieht. Wenn wir jemanden begegnen, ein flüchtiges Hallo und man geht aneinander vorbei. Gelegentlich auch charmante Gespräche auf Distanz. Mein Psychodog lernt eifrig, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht und er kann so richtig frei sein und rennen!

Heute morgen kam mir ein älterer Herr entgegen mit einem wunderschönen schwarzen Hund. Der Herr war elegant gekleidet, kam ruhig auf mich zu. Plötzlich aber wendet er sich ab und versucht auf allen Vieren den Berg hochzuklettern. Ich ging weiter auf ihn zu und schwups war er auf dem Baum. Sein Hund, mein Hund und ich standen da und starrten. Ich schaute hinauf, um zu sehen, wonach er da suchte und ich hatte Angst, dass er sich verletzen würde.

Ich fragte ihn:" Kann ich ihnen helfen?" Er ohne sich zu mir zu drehen:" Nein, gehen Sie weiter, wegen Ihnen sitze ich ja hier oben." Stille im Blätterwald.

Ein Mann zwischen 70 und 80 Jahren klettert auf den Baum, um nicht meinen Weg zu kreuzen. Ich konnte, was heisst, ich kann es nicht glauben. Er riskiert seine Gesundheit für die Gesundheit. Was ist denn bitte hier los?

Da ich ihm keinen negativen Test vorweisen konnte und auch nicht wollte und auch nicht riskieren wollte, dass er noch höher kletterte, ging ich kommentarlos weiter. Kaum hatte ich den Sicherheitsabstand erreicht, kletterte er wieder runter. Ich blieb stehen und sah ihn an mit 50 Fragezeichen im Gesicht. Mir war kurz danach einen Schritt auf ihn zuzugehen, aber mit Angst spiele ich nicht.

Abgesehen davon, kam eine Joggerin gerade des Weges. Und schwups saß er wieder auf dem Baum. Ich finde das etwas befremdlich und irritierend. Mein Hund, den ich ja wegen Angstzuständen behandeln ließ, hatte durch Training gelernt, keine Angst mehr zu haben vor andren Menschen,Hydranten und Steinen und nun passiert genau das. Wir nähern uns in mühevoller Kleinarbeit und die Menschen machen einen großen Bogen um uns, beäugen uns skeptisch und klettern sogar auf Bäume.

Das Thema ist für uns alle ernst und belastend, aber wie soll ich nun meinem Hund klarmachen, dass Angst nichts "bringt", sondern sogar gefährlich für UNS ist. Ich kann es ihm nicht erklären, aber er spürt die Angst und ich auch. Bitte Schluss mit Angst haben. Nehmen, akzeptieren, zulassen und gehenlassen.

und übrigens: im Wald da ist keine Gefahr! Ausser brechende Äste!

© Matrixe