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#CorCooning - und du so!?

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#CorCooning - und du so!? | story.one

"Ich liebe mein Leben", jubelte unser Nachmittagsgast und tanzte durchs Wohnzimmer. Heute war Papatag, und unsere älteste Tochter brachte eine Schulfreundin mit nach Hause. Um 16.30 Uhr verkündete die Bundesregierung, dass ab Montag alle Schüler*innen über 14 und ab Mittwoch alle unter 14 keine Schule mehr haben. Kurz hatte ich das Gefühl, als bebte der Boden. Wahrscheinlich tanzten viele junge Menschen. Über 1,1 Mio Schüler*innen werden nach Hause geschickt.

"Die sind dann also zu Hause", folgerte mein Papa-Hirn. Und begann zu rechnen. Die Kalkulation inklusive Ostern kam auf schlanke vier Wochen. "Also in etwa die halben Sommerferien." Aber die kommen ja dann danach. Hm, eine Challenge. Jedenfalls für die rund 650.000 Paare mit Kindern unter 15 Jahren und insbesondere für die rund 100.000 Alleinerziehenden.

Ich war ja heute ingesamt genervt. Die letzten Tage habe ich mit Absagen und Verschiebungen zugebracht. Vorträge, Konferenzen, Lesungen, TV-Sendungen, Seminare ... so ziemlich einiges, womit ich beruflich beschäftigt bin, löst sich in Luft auf. Mit satten Einbußen. Wurde gestern der März ausgebucht, so war es heute der April. Morgen wird es der Mai sein. Die Kettenreaktion ist in Gang gesetzt und das, was hier auf uns zurollt, wird uns viel abverlangen. Selbst wenn der Virus sich legt, werden die Folgen weiter aufgehen wie der Germteig im Backofen (nicht meiner, bin eher der Nudel-Koch). "Das wird heftig", sag ich mir und überbringe meiner Frau die Schul-Neuigkeiten. Sie rechnet reflexartig nach: vier Wochen.

Zwischenzeitlich haben alle Eltern nachgerechnet: vier Wochen. Um mich zu erden, beschließe ich, für ein Workout ins Fitnesscenter zu fahren. An einem Mittwochnachmittag, schließlich ist mein beruflicher Abend storniert. Der Rücken freut sich - ein erster Kollateralnutzen. Ansatzsweise versöhnt fahr' ich nach Hause. Eine Stunde später liegen wir zu viert im Kinderzimmer: "Was machen wir mit den vier Wochen?" frage ich in die Runde. "Ich verabrede mich mit Freundinnen, baue mein Zimmer um und wir könnten gemeinsam Skifahren." "Ich mach eine Liste, was ich alles aufräume. Und Familien-Ausflüge!" "Gemeinsam spielen. Und wir müssen Eis einkaufen!"

Das klingt ja ein bißchen nach dem abgetroschenen "die Krise als Chance". Mal schauen, was geht. Jedenfalls schlage ich vor, dass wir ein neues Vokabel in unseren Wortschatz aufnehmen .

Altbekannt:

Co·coo·ning [kəˈkuːnɪŋ/], Substantiv: vollständiges Sichzurückziehen in die Privatsphäre; das Sichaufhalten zu Hause als Freizeitgestaltung

Ich bitte auf Wikipedia und Dictionary.com zu ergänzen:

Cor·coo·ning [kərˈkuːnɪŋ], Substantiv/Imperativ: staatlich verordnetes Sichzurückziehen in die Privatsphäre; das Sichaufhalten zu Hause als Alltagsgestaltung aufgrund der Corona-Pandemie

Sag an, was sind deine/eure #CorCooning-Pläne!? Lasst uns das einander erzählen! Der Hashtag ist eröffnet.

© Matthias Strolz 2020-03-11

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