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Loslassen. Die leere Hand.

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Loslassen. Die leere Hand. | story.one

Eine Krise ist eine mächtige Stopptaste. Die Einladung zum Loslassen. Springt danach alles zurück ins Hamsterrad oder gehen wir in neue Qualitäten des Seins und Tuns?

Loslassen ist eine wichtige Vorleistung, bevor Neues einziehen kann. Es schafft Raum. Um gut ins Loslassen zu kommen, braucht es Bewusstsein. Ich muss (an)erkennen. Von diesem Begreifen aus kann ich meine Reise ins Neue antreten.

Loslassen ist nicht einfach. Im Großen wie im Kleinen. Der eine hat einen Job, der ihm nicht mehr guttut. Die andere eine Angewohnheit, die sie krank macht. Der nächste hält an einer Form der Beziehung fest, die ins Destruktive gekippt ist. Wiederum andere wissen, dass sie weniger Süßes essen oder den Unfrieden mit ihren Eltern beenden sollten.

So vieles können wir loslassen: Probleme, Begierden, Glaubenssätze, Gefühle, den Alltag, nervige Mitmenschen, Aufgaben, Funktionen, Gerätschaften, Besitztümer, Anspruchsdenken, fixe Ideen, Verdächtigungen, Bewertungen, Lähmung, Konflikte, Verhaltensmuster, Abhängigkeiten, unangenehme Erinnerungen, schlechte Gewohnheiten, Alltagsgerümpel, Anspannung, Schmerzen, übersteigertes Pflichtgefühl, unguten Stress, Enttäuschungen, Kränkungen, die Vergangenheit, die Zukunft …

Beim Loslassen hält uns die Bequemlichkeit zurück: Ach, was soll’s, es war immer so. Der da drüben macht's doch auch so?! Später. Morgen. Übermorgen …

Beim Loslassen stehen Ängste auf. Was sagen mein Partner und meine Mama dazu? Wie erkläre ich es den Kindern, meiner Freundin, den Arbeitskollegen? Wovon werde ich leben? Was werden die Nachbarn glauben?

Manchmal stoßen uns Schicksalsschläge durchs Loslassen hindurch. Eine Fügung, ein Unfall, eine Krankheit. In solchen Fällen müssen wir diesen Weg nochmals bewusst nachvollziehen. Wir müssen begreifen, was geschehen ist.

Veränderung findet immer statt, gefragt und ungefragt. Allerdings gilt: Wer sich nicht definiert, wird definiert – von anderen Menschen, Umfelddynamiken und Mächten aller Art. Dann läuft man Gefahr, zum Spielball zu werden. Beliebig herumgeschubst.

Manches im Fluss des Lebens haben wir nicht in der Hand, vieles können wir gestalten. Es hilft, die Flussrichtung lesen zu lernen, aufmerksam zu beobachten, was der Fluss mit sich bringt. Und manches ziehen zu lassen. Denn nur eine leere Hand kann empfangen. So können wir zugreifen und anpacken. Ziele anstreben, Erfahrungen machen, Begegnungen anpeilen, Erlebnisse organisieren, Ergebnisse ernten. Das stiftet Kraft, Frohsinn und Lebensfreude.

Ohne Loslassen keine Entfaltung. Loslassen ist eine Bewegung, die öffnet – für das wirklich Neue. „Ich suche nicht – ich finde“, schrieb Pablo Picasso. Er betonte „das Wesenhafte des modernen Menschen, der in aller Angst des Loslassens doch die Gnade des Gehaltenseins im Offenwerden neuer Möglichkeiten erfährt“. Wir dürfen uns geborgen wissen in unserer Bewegung. Menschsein ist ein ewiges Werden – hin zur Reife.

© Matthias Strolz 2020-04-14

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