Sex, Geld, Tod – Tabu und Lebendigkeit

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Sex, Geld, Tod – Tabu und Lebendigkeit | story.one

Sexualität. Sie ist überall. Allgegenwärtig. In jedem Modekatalog, in der Baumarktwerbung, auf den Plakatwänden unserer Städte und Dörfer, in jedem zweiten Film, in der Sonntagszeitung auf Seite 5 (oder ist‘s die 7), ein Viertel der Suchanfragen im Internet, in unseren täglichen Fantasien …

Geld. Es ist überall. Allgegenwärtig. Immer am Mann, stets in der Damentasche. Allerorts winkt es, vielerorts prasst es, immerfort brauchen wir’s. Monatlich kommt es herein, täglich fließt es hinaus. Wir halten es in Händen, wir tragen es in Gedanken, wir vermehren es in unseren Träumen …

Tod. Er ist überall. Allgegenwärtig. In jeder Nachrichtensendung zu Gast, an jedem Fernsehabend zigfach in Szene gesetzt, auf den Bildschirmen unserer Kinderzimmer tausendfach bespielt, eine unausweichliche Bekanntschaft für jeden von uns …

Sex, Geld, Tod – die großen Drei. So erdrückend präsent. So unerlässlich. So selbstverständlich für den modernen Menschen. Und doch sind alle drei Bereiche so beklemmende Tabuzonen. Wir halten uns für aufgeklärt, aufgeschlossen, erwachsen. Wir verhalten uns ganz anders. Obwohl an jeder Ecke plakatiert und in jedem Hauptabendprogramm strapaziert – sobald eine der großen Drei konkret in unser Leben tritt, wird uns ganz anders.

Wenn der Minirock im Frühling berückt … Huch, ich bin verheiratet. Wenn der Tod im Umfeld anklopft … Ab in die Kiste, raus aus dem Blickfeld. Wenn das Geld funkelt … Hm, das gehört sich nicht. Wir lesen gerne drüber. Wir lassen uns dazu berieseln und berichten. Doch wo Geld, Sexualität oder Tod die Bühne des echten, des eigenen Lebens betreten, da stehen Scham und Angst auf.

Warum die Scham? Wovor wollen wir uns verstecken? Was wollen wir verbergen?

Und warum die Angst? Wieso dieses bange Gefühl, bedroht zu sein? Was ist das Schlimmste, das passieren könnte, wenn wir wahrhaftig in Berührung gehen?

Es hat wohl viel mit unserer Verletzlichkeit zu tun. Wir wollen uns weder verletzlich spüren, noch zeigen. Doch wir sind es. Wieso sollten wir uns für etwas schämen oder vor etwas Angst haben, das uns alle auszeichnet: Verletzlichkeit. Sie ist conditio humana, menschliche Grundbedingung.

Wenn wir unsere Verletzlichkeit akzeptieren, verlieren Scham und Angst ihre Übermacht. Der Tod wird plötzlich zum besten Coach des Lebens. Das Geld zum goldenen Medium. Die Sexualität zur Quelle von Lebendigkeit. Und das potenziell allgegenwärtig und überall!? Ja, himmlisch geerdet.

© Matthias Strolz 14.04.2020