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Im Schweinsgalopp

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Im Schweinsgalopp | story.one

Es ist Freitag. Freitag ist Reittag! Also fahren meine Oma und ich gleich nach der Schule mit dem Bus zum Reiterhof.

Auf der Liste, die auf dem Tisch liegt steht, dass ich heute die Amelie reite. Sie ist ein sehr bockiges und eigensinniges Pferd aber ein schönes. Ich bezahle nur schnell und gehe dann zu Amelie. In der Box läuft alles gut. Heute ist sie sehr brav. Komisch! Amelie zwickt mich nur ein Mal beim Putzen und sonst ist sie gut gelaunt.

Ich stehe vor der Halle und frage mit dem Pferd an der Hand: ,,Tür frei?“ Dann stimmen mir alle zu und ich darf hinein zu den Anderen. Zusammen drehen wir ein paar Runden und danach steige ich auf. Die Reitlehrerin ruft: „Einfache Schlangenlinien im Trab!“ Das heißt, dass ich mit Amelie im Trab eine schräge Linie zur Mitte reiten soll und dann weiter eine schräge Linie in die andere Ecke. Dann sollen wir eine kleine Runde um die Mitte von der Halle reiten. Da bockt mein Pferd auch schon ein bisschen. Ein Zeichen dass sie jetzt frecher wird.

Jetzt ist schon fast das Ende der Stunde und wir fangen mit dem galoppieren an. Ich sage noch schnell zur Reitlehrerin : „Entschuldigung, ich kann doch noch gar nicht ...!“ Der Rest ging im Lärm unter.

Zum Glück weiß die Reitlehrerin dass ich noch nicht galoppieren kann und lässt mich traben. Eine Runde nach der anderen stolziert Amelie in der Halle. Dann wird sie langsamer und ich muss sie mit meiner Gerte wieder antreiben. Ein zwei mal schlag ich ihr die Gerte auf das Hinterteil und sie wird immer schneller. Dann hat sie das perfekte Tempo! Ich lächle meiner Mama zu, die gerade reingekommen ist und bleibe ein paar Schritte sitzen bis zur nächsten Ecke. Dann passiert es! Amelie galoppiert los und ich schreie auf. Mit meinem Pferd fliege ich durch die Halle. Ich sehe nur meine Mama filmen und die wilde Mähne von Amelie. Sonst nehme ich nichts mehr wahr.

Nach einer Ewigkeit bleibt sie endlich stehen und ich sitze geschockt auf dem Pferd. Ein paar Tränen laufen mir über die Wange und ich habe Herzklopfen. Ich will nur noch runter vom Pferd. Aber dann muss ich mir noch einen ewig langen Vortrag über die Reaktion des Pferdes und was man machen muss wenn so was passiert anhören.

Eine viertel Stunde danach darf ich endlich zu Mama und sie einmal fest umarmen. Sie zeigt mir das Video das sie während ich galoppiert bin gefilmt hat. Dann bin ich sehr stolz, dass ich nicht runtergefallen bin, gehe noch zu Amelie und gebe ihr ein Leckerli.

In der Schule habe ich es jedem erzählt und auch etwas ganz lustiges von Mama erfahren. Sie hat es nämlich Hannes geschickt und er hat es sich im Zug ohne Ton angesehen. Hannes hat einen „Daumen hoch“ geschickt und „Wow sieht super aus!“ dazugeschrieben. Mama hat verwundert den Kopf geschüttelt. Zuhause hat er es sich dann mit ton angesehen und mich laut schreien gehört. Da hat er große Augen bekommen! Alle haben gelacht. Sogar ich fand es dann einigermaßen lustig.

Maximilia, fast 11 Jahre

© Maximilia 07.03.2020

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