Begegnung am Mekong Fluss III

Phnom Penh, Kambodscha, Teil 3

Soll man warten auf den Augenblick, von dem man nicht weiß, ob er nochmals kommt, wenn er beim ersten Mal zurückgewiesen worden ist. Wo bitte, gibt es einen Weg aus mir heraus?

"I will love you like husband and wife". Ihre Bewegungen sind zärtlich und gleichzeitig auch mechanisch, kühl. Sie möchte eine bessere Zukunft haben, etwas beständiges. Keinesfalls ihre Heimat verlassen, ihre Wurzeln abtrennen. Ich bin in Kambodscha ein Farang, ein Fremder. Sie kommt wieder, jeden Tag. Es gibt wenig Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft, das liegt unausgesprochen zwischen uns.

Gemeinsam entdecken wir die Paläste und die Geschichte der Stadt. Eine Fahrt auf dem Schicksalsfluss Mekong. Wie schön wäre es, wenn wir gemeinsam Tage und Nächte auf dem Mekong verbringen dürften. Ich spüre ihre Sehnsüchte. Und verbiete mir, unerfüllbare Hoffnungen zu wecken. Die Schönheiten des Augenblicks sind überschattet. Ihr trauriger und zugleich erhabener Gesichtsausdruck brennt sich in mein Gedächtnis.

Wir gehen gemeinsam einkaufen. Ein rotes Kleid, das ihr besonders gut steht. Wunderbarer Kontrast zu ihren langen, schwarzen Haaren und dem dunklen Teint. Viele Menschen sehen uns an, wir fallen auf. Misstrauische Blicke, bewundernde, auch neidvolle. Das spüren wir, es berührt uns aber kaum. Wir genügen uns, unabhängig von den übrigen Menschen. Die ihr eigenes Schicksal haben.

Sie fragt mich, wie lange ich in der Stadt bleibe. Ich habe vor, nach Norden zu reisen, nach Stung Treng, an die Grenze zu Laos.

Dort arbeite ich für ein medizinisches Hilfsprojekt als Arzt. Im letzten Jahr war ich für drei Monate vor Ort, habe eine Ambulanz aufgebaut, für die Kinder und Lehrer der "Evergreen Community". So hat Long Lypo, der einheimische Lehrer und Gründer, seine Schule mit Kindergarten benannt.

Die Ambulanz ist natürlich auch offen für die einheimische Bevölkerung. Ich habe gehört, dass viele ärmere Leute mit dem Bus ins benachbarte Vietnam fahren müssen, um medizinische Hilfe zu erhalten. Das bedeutet eine Tagesreise im überfüllten Bus.

Long Lypo betreibt auch eine große Landwirtschaft, produziert Gemüse und Obst und aus den zahlreichen Teichen gibt es genügend Fische für eine gesunde Ernährung . Die Schüler bekommen aus der Schulküche täglich ein Frühstück und eine Jause. Tatsächlich ist das für viele Eltern der Anreiz, ihre Kinder in die Schule zu schicken, anstatt auf den Feldern arbeiten zu lassen.

Der Mekong Fluss durchzieht Stung Treng, was für die Handelswege wichtig ist. In dieser Region nahe der Grenze zu Laos Grenzregion zu Laos gibt es reichlich tropische Regengüsse, die Vegetation gedeiht prächtig, tatsächlich imponiert das Grün der Landschaft. Daher die Namensgebung "Evergreen Community".

© Maximilian Gstöttner