Als Arzt im Urwald von Kambodscha

Stung Treng, Kambodscha

"Childrenplanet" ist ein österreichischer Entwicklungshilfe Verein, der 2009 gegründet wurde. Dessen Ziel ist es, Kindern in Kambodscha zu helfen und ihnen die Aussicht auf eine bessere Zukunft zu geben.

In Stung Treng, hoch im Norden an der Grenze zu Laos, werden Schulen und Brunnenbau finanziert. Auch eine kleine medizinische Ambulanz wurde errichtet. Was ist nach meiner Abreise im letzten Jahr daraus geworden? Gibt es die Ambulanz noch? Oder hat der Dschungel die Häuser zurückerobert?

Damals war ich der erste Arzt, der für die Dorfbewohner längere Zeit gearbeitet hat. Vielen Menschen habe ich helfen können, anderen aber auch nicht. Es gibt zu wenig Medikamente und keine medizinische Infrastruktur, wie Labor oder Röntgen. Die Einheimischen haben mich als den Doktor aus Europa angesehen, der alles kann und alles heilt. Welch eine Anspannung, welch eine Belastung, die den Schlaf zu rauben vermag.

Die Frau mit dem fortgeschrittenen Stadium von AIDS geht mir nicht aus dem Sinn. Als ich ihr sagen musste, dass sie auch dann keine Chance mehr hätte, wenn ich sie nach Europa mitnehmen würde, brach für sie ihre Welt der Hoffnung zusammen. Auch wenn ich mich nicht persönlich schuldig gefühlt habe, hat diese Situation meine Grenzen und die der Medizin aufgezeigt.

Auf der anderen Seite hat mich ein kleiner Junge entschädigt, der mir als Geschenk für die Behandlung seiner Mittelohrentzündung eine Banane aus seiner Hosentasche überreichte, und dazu gesagt hat: "eat"! Um den Patienten im Dschungel von Stung Treng etwas Bleibendes zu schenken, habe ich eine Hepatitis Impfung durchgeführt. Die Wirkung dauert 10 Jahre an. Wenn ich im Wintergarten meines Hauses sitze und in die Abenddämmerung blicke, habe ich manchmal das gute Gefühl, dass es sehr weit weg Menschen gibt, die vor einer Infektion geschützt sind.

Die Einweihung der kleinen Ambulanz durch buddhistische Mönche hat mich sehr berührt. Ein längeres Ritual mit Gesängen und Gebetsformeln, wobei die Anwesenden von den Priestern immer wieder und ausgiebig mit Wasser besprengt wurden. Dann sprach ein junger Mönch, in Orange gekleidet, folgende Segnung: "Buddha beschütze dieses Haus und den Doktor zum Wohle der Menschen, die den Weg hier herfinden und Hilfe suchen".

So etwas wie Gerechtigkeit des Schicksals scheint es nicht zu geben. Der Geburtsort bestimmt maßgeblich unser weiteres Leben. Bis auf wenige Ausnahmen. Und auf diese hoffen so viele Menschen. Ich habe ob meiner Geburt keine Schuldgefühle, wäre auch völlig sinnlos. Aber gerecht geht es wirklich nicht zu. Buddhismus oder Katholizismus hin oder her.

© Maximilian Gstöttner