Herr A. sucht sein Glück (2)

Seine Großmutter war voller Weisheiten des Alltags und des Lebens. Bei ihr wollte er Trost suchen und neue Perspektiven.

Die Bewohner dieses Landstriches wurden von den Städtern gern als "Mostschädel bezeichnet. Wegen der markanten Kopfform.

Wenn es einen typische Repräsentanten dafür gegeben hat, dann war es sein Großvater. Er hatte die die Kopfform eines Vierkanters, wie die typische Form der Bauernhöfe dieser Gegend. Nicht gerade rund, auch nicht besonders eckig, dafür braucht man schon Phantasie, um eine vierkantige Form erkennen zu wollen. Aber kantig, das trifft zu. Das Gesicht hochrot, eine Glatze, nur Haarwuchs im Schläfenbereich, die Ohren ein wenig abstehend.

Insgesamt keine üble Erscheinung, Wenn dann die betreffende Person noch gerne Most trinkt, ja dann sind die Kriterien für einen Mostschädel trefflich erfüllt.

Könnte sein, dass der Neid der Besitzlosen auch eine Rolle dabei spielt. Denn als Mostschädel wurden meist die die begüterten Großbauern bezeichnet, einen Stadtmenschen hätte man kaum als solchen benannt. Bei Wirtshausraufereien haben sich die Mostschädel eben diesen eingeschlagen. Die Frauen auf dem Land sind keine Mostschädel. Das war den Männern vorbehalten.

Aus A. war kein Mostschädel geworden. Als Kind schon zu wenig Most getrunken. Auch ein weiteres Merkmal fehlte. Er hatte von seinem Vater keinen Bauernhof geerbt.

"Is wia da wöh", hat seine Oma zu ihm gesagt, was heißt, " es ist, wie es ist".

"Was soll ich denn machen, operieren lassen oder nicht?"

"Nao joa nao," (nein- ja- nein).

Da kannte er sich aus. Das war ihm vertraut.

Herr A. ging wochenlang spazieren, quer über die Felder, den Bach entlang, streifte durch den Wald. Aus dieser vertrauen Umgebung schöpfte er Kraft.

Er ging in ein anderes Krankenhaus. Andere Menschen, andere Ärzte. Seine Krebsdiagnose hatte sich als falsch herausgestellt.

Damit kann ich leben, dachte er sich.

© Maximilian Gstöttner