Aller Anfang ist leicht

Nachdem ich vor rund 10 Jahren meinen ersten und bis dato letzten Roman fertiggestellt hatte (übrigens unveröffentlicht, aber immerhin mit einer privaten Auflage von vier Stück!), war ich dazu übergegangen die Kindheit meiner beiden Töchter schriftlich festzuhalten. So weit ich mich erinnere, gibt es diese Tradition in Japan. Meine frühen Kindheitserinnerungen oder besser gesagt, Erinnerungen an erzählten Geschichten bestimmter Ereignisse vermischen sich ständig mit intensiv erlebten Träumen und Wünschen. Erinnerungen, wenn sie nochmals gedacht werden sind also niemals unmittelbar und daher im wahrsten Sinne des Wortes Stille Post. Und manche Dinge werden auch einfach nur vergessen. Diese Tatsachen bewogen mich meine Sicht auf die Kindheit meiner Töchter festzuhalten. Jetzt gab und gibt es mehrere Schwierigkeiten zu beachten.

1. Verletze ich womöglich die Intimsphäre meiner Kinder?

2. Verzerre ich das Eigenbild der Mädchen in eine von mir nicht gewollte Richtung und/oder verändere ich (schöne) Erinnerungen in dem ich Interaktionen völlig anders wahrgenommen habe?

3. In welcher Person schreibe ich die Kindheitsbiographie?

4. Natürlich lassen sich aus dem Gesagten viele Rückschlüsse auf meine eigene Person machen. Will ich das?

5. Wann soll ich damit aufhören? Welches Alter setzt den Schlussstrich?

6. Wann übergebe ich das Buch?

7. Mache ich mir einfach nur mal wieder zu viele Gedanken?

ad 1) Heikle Themen und wunde Punkte lasse ich jedenfalls außen vor. Großteils soll das Geschriebene zum Schmunzeln anregen.

ad 2) Unausweichlich

ad 3) In der dritten Person

ad 4) Selbstverständlich. Geht wohl nicht anders.

ad 5) Pflichtschulabschlussalter

ad 6) Zur Volljährigkeit

ad 7) Bestimmt

Wichtig ist mir der Abstand durch die dritte Person, da ICH sonst als Erzähler, also Vater, emotional zu nahe am Objekt wäre. Eine weitere Schwierigkeit liegt darin Durstphasen ohne genügend Stoff zu überbrücken, sowie 14 Jahre durchzu- und dabei den Stil beizubehalten. Andererseits ist es aber auch besonders reizvoll den langen Zeitraum von der Geburt bis zum Jugendalter und danach, das fertige Produkt in Händen, noch einmal 4 Jahre zuzuwarten. Für einen ungeduldigen Menschen wie mich eine ziemlich harte Prüfung. Damit bin ich auch schon beim Thema: Aller Anfang ist leicht - in Anlehnung an das gegenteilige Sprichwort. Ich jedenfalls glaube, dass es eben genauso heißen müsste. Wie oft wollte ich schlechte Gewohnheiten oder Laster bereits hinter mir lassen. Der erste Schritt gelang immer ohne große Mühe, aber durchhalten und etwas zu Ende bringen erforderte viel mehr Anstrengung und Überwindung. Natürlich ist der erste Schritt, den Gedanken in eine konkrete Handlung umzusetzen, sehr wichtig. Ohne den geht es logischerweise nicht. Das Schwierige liegt jedoch darin entschlossen zu bleiben, trockene Täler zu durchqueren und den Unkenrufen des Teufelchens zu widerstehen.

© Max@Mustermann