Wärme

Als Kind bin ich oft mit meiner alleinerziehenden Mutter auf Almen, in die Wälder oder zu Wildbächen gewandert. Der feuerrote Renault 4 mit seiner sogenannten Revolverschaltung brachte uns überall hin und zurück. Die abend- und wochenendlichen Fahrten waren vordergründig Ausflüge, jedoch immer verbunden mit dem Nützlichen. In welcher Zeit wir leben, lässt sich ohnehin immer nur nachher feststellen. Nach heutiger Definition, vielleicht auch damals schon, waren wir arm, obwohl es uns an nichts Wesentlichem gefehlt hatte. Mutter war sparsam und immer besorgt, dass uns das Geld ausgehen könnte. Daher wurde nach alter Manier gesammelt. Schwammerl, Beeren, Brigei (Äste), Steine, Rossmist (Pferdeäpfel). Alles was Wald und Wiese so hergab und legal war. Meist wurden die Dinge am Rückweg im Umfeld des Parkplatzes gesucht. Der Kofferraum brachte während meiner Kindheit viele warme Tage nach Hause. Erst beim Bundesheer und dann in meiner ersten Studenten-WG in Wien kam ich in den Genuss einer zentral gesteuerten Heizung. Unser Wohnesszimmer wurde durch einen Kaminofen erwärmt und die Schlafräume mit einem Kachelofen der beide Zimmer gleichzeitig heizen konnte. Der Vorteil des schnellen Kaminofens war zugleich auch sein Nachteil. Irgendjemand musste ständig nachlegen. Wenn Mutter auswärts arbeitete fiel die Aufgabe meinem Bruder und später ausschließlich mir zu. Oft musste ich die Zeit mit meinen Freunden unterbrechen, um mit den Worten, ich muss nachheizen, schnell nach Hause zu eilen. Natürlich ging mir gelegentlich die Geduld und damit Glut aus, was die Spielunterbrechung und somit meinen Unmut nur vergrößerte. Denn dann hieß es wieder Anheizen. Im Badezimmer wurde nur bei Benützung desselben die Luft mit einem Strahler kurz erwärmt. Fazit: Ganzjährig kalte Fliesen. Im unbeheizten Klosett erledigte man und frau die Geschäfte schnell. Zeitungen Fehlanzeige. Zudem teilten wir unsere Behausung mit Katzen. Da wir im Erdgeschoß wohnten, meine Mutter kein Kisterl wollte und wir grundsätzlich freiheitsliebende Tierhalter waren, durften die samtpfötigen Mitbewohner ständig rein und raus. Das schmale Klofenster bot sich dafür bestens an. Selbst im Winter blieb es fast immer leicht geöffnet. Daher saß ich einpobackig. Einmal im Jahr bekamen wir Holz, welches im Keller gestaffelt wurde. Das Klieben und Hacken mochte ich gerne und kam mir dabei männlich vor. Den alten ehemaligen Einkaufskorb habe ich unzählige Male angefüllt und die Kellertreppe raufgetragen. Die quietschende olivgrüne Kellertüre mit dem kleinen Vorhängeschloß, welche nie zugesperrt wurde, aber trotzdem wertvollen Inhalt signalisierte. Die selbstgestrickten, waxen aber vom Ofen angewärmten Schafwollsocken. Im Advent immer etwas Weihrauch, ein Bratapfel oder die Germschüssel für die Rohrnudeln - die Feuerstelle diente vielen Zwecken. Und abends saßen wir oft auf der Couch und verfolgten fasziniert das heitere Spiel der Flammen

© Max@Mustermann