Hundstage

Wir haben einen Hund! Jeder, der sich schon mal einen Welpen ins Haus geholt hat, weiß, was das bedeutet. Viele Jahre berieten wir über die Anschaffung eines Vierbeiners. Stets siegte die Vernunft über das Herz. Schlußendlich, nicht zuletzt aufgrund der psychischen Verfassung meiner Tochter, entschieden meine Frau und ich uns für den wohl aufregensten und treuesten tierischen Begleiter. 10 Jahre lang hatten wir Katzen im Haus. Sally mussten wir vor kurzem leider aufgrund ihrer Alterskrankheiten mit 19 Jahren von uns gehen lassen. Seit einigen Jahren dürfen auch Uromas Land-Schildkröten ihren Lebensabend bei uns verbringen, besser gesagt verschlafen und seit rund 3 Monaten strampelt ein Hamster seinem sehr kurzen Lebensabend entgegen. Die Katzen mussten gefüttert werden, manchmal gestreichelt. Unsere gepanzerten Freunde verbringen das Somersemester fressend und meist schlafend im Freigehege am südlichen Ende des Gartens. Das Winterquartier befindet sich in der Speis, wo sie sich in zwei Plastikkisten getrennt von einander, eingegraben von der hektischen Sommerfrische erholen. Peanut, der Hamster, macht sich durch im Wesentlichen zwei Tätigkeiten aufmerksam: Den Fitnesseinheiten im Hamsterrad, die ein nicht unerhebliches monotones Surren erzeugen. Daher steht der Käfig auch nicht mehr im Kinderzimmer, sondern in der Bibliothek. Zum anderen müllt er im Radius von rund einem Meter den Boden mit allem, was er aus Eigenproduktion und Baumaterialien in die Pfötchen bekommt zu. Summa summarum alles nett anzuschauende Tierchen, jedoch sehr eigenwillig, eher reserviert und despektierlich. Das genaue Gegenteil von Kingston, der bereits als Welpe gefallen will, eine Menge Aufmerksamkeit einfordert, überaus wissbegierig ist und Spaß am Erlernen von Kommandos hat. Abgesehen vom süßen Äußeren, das dir jedesmal das Herz wärmer werden lässt, ist sein Wesen auf Gemeinschaft ausgerichtet. Als Hütehund ist er zusätzlich auf die Herde, also Familie, fixiert und fordert vehement Beschäftigung ein. Es ist auch gut anzuraten von Beginn an Erziehungsmaßnahmen einzuleiten, denn das intelligente Hündchen wächst dir sonst sehr schnell über den Kopf. Ausprobiert wird alles, nichts ist sicher. Dieses 4-Kilo-Energiebündel lernt in einer bemerkenswerten Geschwindigkeit. Alle sind gefordert, auch ob seiner scharfen Milchzähne, die er gekonnt einzusetzen weiß. Einen hat er bereits beim Spielen eingebüßt. Gerade für die beiden pubertierenden und digital vernetzten Teenager stellt ein vollkommen analoger bzw. realer Hundeschiss oder -biss eine wohltuende Abwechselung dar. Schlechte Führung wirkt sich direkt und schnell sichtbar auf den Hund aus. Falsch antrainiertes Verhalten läßt sich nur mühsam korrigieren. Konsequentes Handeln und Lernen durch ständige Wiederholung sind unabdingbar. Drill ist angesagt - wenn er nicht so süß wäre. Er tut uns allen gut.

© Max@Mustermann