Lehrreich

Mein Klassen- und gleichzeitig Pfarrkirchenratsvorstand, unser Schuldirektor, wollte mir einmal in der 1. Klasse Volksschule den Inhalt des Schulbuches, in dem er mir dasselbige über den Kopf schlug, vermitteln. Ich kann nicht mehr sagen weshalb, was der Auslöser war. Wahrscheinlich mein riesiger Schwarm Hummeln im Hintern, der mich einfach nicht ruhig sitzen lassen wollte. Blöderweise hob ich den Kopf und er erwischte mich auf der Nase, die sofort blutete. Zu Hause verschwieg ich den Vorfall, auch weil ich Angst davor hatte, dass meine Mutter glauben könnte, ich sei schuld daran. Ein paar Tage später bemerkte sie die roten Flecken im Schulbuch und frug, was der Grund für die Verunreinigung des Lehrmittels sei. Aus Scham suchte ich nach Ausreden, die ich nicht fand. Daher erzählte ich ihr die Geschichte. Am nächsten Tag begleitete sie mich in die Schule und stellte den Direktor ohne mein Beisein zur Rede. Das würde nie wieder vorkommen meinte sie ruhig, womit sie recht behielt. Ich war unheimlich stolz auf die Courage meiner alleinerziehenden, geschiedenen und damit laut römisch-katholischem Recht in permanenten Zustand der Sünde lebenden Mutter.

© Max@Mustermann