Typisch Sardische Spezialitäten

Am Tag 5 unserer Hochzeitsreise erreichten wir das wunderschön gelegene Hotel Su Gologone nahe der gleichnamig wichtigsten Quelle der Insel am nördlichen Fuße des Supramontemassivs. Das erste Mal auf dieser Reise übernachteten wir in einem gehobeneren Etablissement. Mit den Gepflogenheiten und kulinarischen Raffinessen der Sarden bereits ein wenig vertraut, wollten wir die Bestellung dieses Mal überlegter angehen. Nach einem Apperitif und dem Vertriebsgeschick unseres exzellent geschulten Obers ließen wir uns wieder einmal, mit größeren Augen als Bauch und Hirn zusammen, für ein Menü des Hauses überreden. Zum Start gab es typisch sardische Spezialitäten. Was soviel hieß wie, Wurst, Schinken, Wurst, Schinken ... Eigentlich bist du nach dieser Vorspeise fertig, aber wir wollten ja nicht unhöflich sein und Urlaub war auch. Kurz danach schipperte die Bedienung ein silbernglitzernd 3-stöckiges und 4-rädiges Monstrum an Antipasti quer durch den Gastraum. Nur kurz scherzten wir darüber, wer das vollbepackte Etageres wohl bekommen würde, denn nirgends saßen mehr als vier Personen an einem Tisch. Als der Kellner lächelnd bei uns abbremste schwante uns Böses. Als Österreicher fatalistisch bestens geschult gaben wir uns dem Schicksal hin. Die Aussicht auf die noch ausstehenden Hauptgänge vermaledeite uns jedoch ein wenig den Genuß der Köstlichkeiten. Danach Suppe gefolgt von Fisch, Spanferkel und Nachtisch. Die Gastritis meiner Frau war im Preis inbegriffen. Klappe zu, Affe tot. Gleich zu Beginn wunderten wir uns über das verschmitzte Lächeln eines deutschen Pärchens am Nebentisch, mit denen wir später noch bei einer Zigarette den Abend ausklingen ließen. Sie hätten gestern den selben Fehler begangen und beobachteten uns daher amüsiert, wie wir bei jedem Gang verzweifelter in unseren Stühlen versanken. Genuß ist vielseitig. Mit jeder kredenzten Portion sardischer Spezialitäten wurde eine gleich große in Schadenfreude am Nachbarstisch gratis serviert. Das würde uns jedenfalls so schnell nicht mehr passieren, waren wir uns sicher.

© Max@Mustermann