Why?

In allen Führungs- und Kommunikationsseminaren wird das Warum, englisch Why, als non plus ultra angepriesen. Menschen müssten wissen warum etwas zu tun sei oder besser gesagt, welchen Sinn es habe, so oder anders zu agieren. Jetzt bin ich mir da nicht so sicher. Warum? Weil gewisse Dinge, vor allem zwischenmenschliche intuitiv geschehen. Ich vertraue einem Freund, weil ich ihn mag oder sogar liebe. Ich arbeite niemals für eine Firma, sondern immer für einen Chef oder in einem Team, welches mich wertschätzt. Der Inhalt meiner Arbeit ist sekundär. Natürlich soll mich die Aufgabe in einem gewissen Ausmaß befriedigen, aber grundsätzlich muss das Umfeld, müssen die Beziehungen stimmen. Meinen ersten Job habe ich nur deshalb gekündigt, weil mein Vorgesetzter meinte, dass ich mich mit Sicherheit nicht in der von mir erhofften Art und Weise weiterentwickeln werde können. Glücklicherweise habe ich ihm nicht geglaubt. Das Schlimme daran ist nur, dass viele Menschen vermeintlich höhergestellten Kollegen per se eine größere Sozialkompetenz zusprechen. Das ist aber keinenfalls immer gegeben. Außerdem, wer weiß schon, was in mir steckt, was ich will und wozu ich fähig bin? Das weiß ich ja nicht einmal selbst. Auf die Frage, was meine wichtigste berufliche Entscheidung gewesen sei, habe ich schon oft mit meiner ersten Kündigung geantwortet - mutig sein. Und ich bin ein Wiederholungstäter. Nicht zum Selbstzweck, aber ich wollte mich anders weiterentwickeln, als es hin und wieder in meinem gewohnten Umfeld möglich gewesen wäre. Nein zu sagen ist oftmals viel heilender als immer ja zu sagen. Denn zuerst sollte ich mir klar werden, was ich nicht will. Das ist nämlich bedeutend einfacher als das Gegenteil. Der Via Negativa befreit uns von vielen Sorgen und Lastern. Leider werden wir vor allem in der Schule anders konditioniert. Unser Schulsystem spuckt noch immer viel zu viele Befehlsempfänger aus und suggeriert Dir auf deine Schwächen zu schauen. Nicht verwunderlich: eingeführt durch die erzkatholische Regentin Maria Theresia. Sie wollte ihre Untertanen zu guten Gottes- und Herrschaftsdienern heranziehen. Das ist ihr gelungen. Denn wir tun die Dinge großteils immer noch, weil wir müssen, nicht weil wir wollen. Auch und vor allem, weil wir spüren, dass viele Lehrer nicht begeistert sind. Das System funktioniert leider über Druck und nicht über Sog. Ich bin meinem Vater als Bub auf die Berge gefolgt, weil ich ihn bewundert und geliebt habe, weil er es authentisch vorgelebt hat. Nicht weil ich darüber instruiert worden bin, dass wir uns die nächsten 6 Stunden abmühen, um den Gipfel zu erreichen. Ich bin ihm nur deshalb nach, weil ich ihm vertraut habe. Noch viel wichtiger, weil er wortlos in mich vertraut hat, dass ich es schaffen würde. Sich mit Menschen zu umgeben, die einem etwas zu- und vor allem vertrauen ist viel wichtiger als an eine bestimmte Sache zu glauben. Und der sicherste Weg zum Unglück ist die Liebe an 1 Objekt zu binden.

© Max@Mustermann