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Gekommen um zu Bleiben?

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Gekommen um zu Bleiben? | story.one

Jetzt ist der schon wieder da, der kleine, dicke Mexikaner. (@ ER ist wieder da) Diesmal dauerte es nur 10 Tage, da kam eine SMS: „Muss ins Krankenhaus, bitte den Hund abholen.“. Und ich hüpf natürlich, wenn geschrien wird.

Was bleibt mir auch anderes übrig? Vor 2 Monaten dachte ich mir, nein, ich bleib jetzt hart. Und lehnte ab. Sie brachte den Kleinen ins Tierheim, dort musste er 2 Wochen warten, bis das Frauchen wieder nach Hause kam. Das muss der pure Horror für den Zwerg gewesen sein! Er ist ängstlich und unsicher, ganz offensichtlich wahnsinnig schlecht sozialisiert. Deshalb wird alles und jeder ganz furchtbar angekeift. Rein schon aus Prinzip. Gelegentlich wird auch mal geschnappt. Mir wurde erzählt, dass der Zwerg in den ganzen 2 Wochen im Tierheim niemanden an sich ran ließ. Jeder, der ihm zu nahe kam, wurde verkläfft. Kein Streicheln, kein Kuscheln, weil er es nicht zuließ. Und dabei ist der Kleine eigentlich so eine Knutschkugel! Stundenlang kann er sich kraulen lassen. Mir brach das Herz, bei der Erzählung.

Deshalb nehm ich ihn halt jetzt wieder jedes Mal, wenn Frauli ins Krankenhaus muss. Und jedes Mal bin ich wütend. Frauli wusste schon vorher, dass sie sich nicht um so ein Lebewesen kümmern kann. Dass sie krank ist und ständig ins Krankenhaus muss. Sein Leben: 2 Mal täglich eine Runde um den Häuserblock. Mehr Bewegung bekommt er nicht. Statt Training, Sozialisierung, damit das Tier auch mal stressfrei Gassi gehen kann, wird allem und jedem aus dem Weg gegangen. Fellpflege? Nö. Wozu auch bei einem Langhaarchihuahua. Geliebt wird er, das weiß ich. Und ganz offensichtlich gut gefüttert. Zu gut.

Wenn er die Tage bei mir verbringt, wird geübt. Regelmäßige Gassigänge, klare Regeln und bei unliebsamen Verhalten gibt’s Konsequenzen. Er kann schon randalieren, dann wird er halt ganz plötzlich nass. Wobei das kaum mehr nötig ist, er lernt schnell. Derzeit sind wir dabei, braves Verhalten zu belohnen, um ihn so zu bestärken. Er hätte so viel Potenzial, wenn man sich nur ein wenig mit ihm beschäftigen würde. Und dann kommt wieder eine SMS: „Bin wieder daheim.“. Und mir bricht das Herz, wenn ich das Tier zurückgeben muss.

Vor einigen Tagen fragte mich das Frauli: „Kannst du ihn bitte ganz nehmen? Ich kann nicht für ihn sorgen. Ich weiß, er liebt dich, bei dir geht es ihm gut.“.

Einseits: Erleichterung, dass sie endlich einsieht, dass sie nicht ausreichend für ihn sorgen kann. Liebe ist nicht alles, was so ein Hund braucht.

Andererseits: Einen zweiten Hund aufnehmen? Ich weiß, das Herrli ist nicht begeistert. Da müssen wir ihn ganz schön überreden, der kleine Dicke und ich. Und ganz viel lieb drein schauen.

Wenn wir ihn nicht aufnehmen, dann landet er im Tierheim. Und die Chance, für einen aggressiv kläffenden, bissigen Chihuahua, da wieder raus zu kommen, stehen jetzt halt auch nicht allzu gut. Das wäre wirklich ein unglaublich trauriges Schicksal für einen eigentlich so tollen Hund.

Foto: Unsplash, Daniela Popescu

© Melly Schaffenrath 16.09.2020

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