Verliebt in den besten Freund

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Verliebt in den besten Freund | story.one

Chaos von Mathea. Ein Song, der mich daran erinnert, wie es damals war. Finde mich mit vielen Zeilen des Textes wieder. „Chaos, weil ich nicht weiß, was du für mich bist. Ein Freund, oder kann da mehr sein?“.

Du warst 20, ich war 22 Jahre alt. Du warst Zivildiener auf meiner Abteilung. Von Anfang an warst du mir sympathisch. Innerhalb weniger Monate warst du für mich ein sehr guter Freund. Mit dir konnte man Spaß haben. Mit dir konnte man über ernste Themen reden. Mit dir konnte man über alle Themen des Lebens philosophieren.

Aber mehr als Freundschaft hab ich nicht gesehen. Ich war ohnehin in einer Beziehung. Als diese in die Brüche ging, trauerte ich. Du warst da. Ein guter Freund. Eines Abends, du warst betrunken, hast du dich verplappert. Von da an wusste ich, du sahst mehr in mir als nur eine Freundin. Aber ich trauerte noch immer der vergangenen Beziehung nach.

Nach der Trauerphase, dachte ich oft darüber nach. Du warst mir so wichtig. Ich wollte es nicht riskieren, die Freundschaft zu zerstören. Was, wenn wir es versuchten, und es würde nicht funktionieren? Ich würde dich verlieren. Deshalb redete ich mir immer wieder ein: Viel zu Jung. Nicht mein Typ, mit den langen Haaren, den schwarzen Klamotten und dem komischen Bart. Und überhaupt, völlig unterschiedliche Interessen. Du, immer auf Metal-Festivals unterwegs. Du, der Sportfreak. Immer wieder redete ich mir ein, dass es einfach nicht passen würde. Dass es schief gehen würde und ich dich dann als Freund verlieren würde. Immer wieder blockte ich dich ab, wenn du betrunken mal abermals dein Glück versuchtest.

Stattdessen datete ich einen anderen. Er war ganz nett, aber ich liebte ihn nicht. Du warst verletzt und hast dich zurückgezogen. Ich begann, dich zu vermissen. Deine braunen Augen. Deine Unterarme. (Keine Ahnung, warum ausgerechnet deine Unterarme.) Deine Lippen. Deine Stimme. Deine Anwesenheit. Aber weiterhin leugnete ich konsequent jegliche Gefühle für dich. Aus Angst, dich, einen guten Freund, zu verlieren.

Silvester. Du warst mit Freunden unterwegs. Ich mit dem Mann, den ich seit einigen Monaten traf. Ich sollte glücklich sein, das Gegenteil war der Fall. Es fühlte sich falsch an, mit diesem Mann zu feiern. Viel lieber hätte ich dich an meiner Seite gehabt. Ich konnte mich nicht mehr länger selbst belügen: Ich war verliebt in meinen besten Freund. Ich schrieb eine SMS: „Ich würde jetzt so gerne bei dir sein.“. Mein Geständnis.

Es war der 7. Januar, als wir uns wieder trafen. An diesem Abend haben wir uns das erste Mal geküsst. Nachts, auf einem Spielplatz, unter dem Sternenhimmel.

Heute, über 9 Jahre und unzählige Küsse später, bin ich jeden Tag froh, dich an meiner Seite zu haben. Jeden Tag bin ich dankbar, dass du so viele Monate geduldig auf mich gewartet hast. Es gibt nichts schöneres, als mit dem besten Freund zusammen zu sein. Viel zu selten sage ich es dir: Ich liebe dich. Jeden Tag.

Foto: Unsplash, Jude Beck

© Melly1606